Rechnen in der Rezeptur

Eine Ursache für Über- oder Unterdosierungen in Rezepturen können einerseits Flüchtigkeitsfehler, aber auch echte Rechenfehler beim Berechnen der Einwaagen sein. Dahinter könnte ebenso ein nicht berücksichtigter Einwaagekorrekturfaktor stecken wie auch ein Irrtum beim Umrechnen des eingesetzten Rezepturkonzentrates. Schließlich kann ein simpler Flüchtigkeitsfehler, zum Beispiel beim Übertragen von Zahlenwerten, oder ein Verwechseln der Einheit gravierende Folgen haben.
Um Folgefehler zu vermeiden, empfiehlt es sich,

  • Berechnungen in der Rezeptur in Ruhe vorzunehmen,
  • jeden Schritt sauber aufzuschreiben,
  • Double-Checks der Ergebnisse durchzuführen und
  • besonders bei kritischen Rechnenwegen die Kollegin oder den Kollegen ebenfalls rechnen zu lassen (Vier-Augen-Prinzip)

Die meisten Rechnungen in der Rezeptur lassen sich per Dreisatz lösen. Hier sollte der jeweilige Ansatz "auf Plausibilität geprüft" werden.

"Ohne Dreisatz geht gar nichts - Rechnen in der Rezeptur" von Conny Becker, Stand Mai 2012, im Forum Rezepturqualität der Apothekerkammer Berlin

Cave Einwaagekorrekturfaktor!

Wird der Einwaagekorrekturfaktor (EKF) vernachlässigt oder bei Einsatz von Stammlösungen oder Stammverreibungen falsch umgerechnet, besteht die Gefahr einer unter Umständen gravierenden Über- oder Unterdosierung.

Der Einwaagekorrekturfaktor f muss für jede neue Charge einer Substanz (bei Wirk- und Konservierungsstoffen, nicht bei Hilfsstoffen) neu ermittelt werden und auf drei Nachkommastellen genau auf dem Vorratsgefäß angegeben werden. Mit diesem Wert wird die errechnete Solleinwaage multipliziert, um die tatsächliche Solleinwaage zu bestimmen.

Warum muss eine Einwaagekorrektur vorgenommen werden?

  • um einen chargenbedingten Mindergehalt auszugleichen
  • um einen im Ausgangsstoff enthaltenen Wasseranteil mit zu berücksichtigen

Wann ist eine Einwaagekorrektur vorzunehmen?

  • wenn ein Mindergehalt des Wirkstoffes von mehr als 2 % vorliegt

Wie geht man bei einer Einwaagekorrektur vor?

  • Berechnung eines individuellen Korrekturfaktors f auf drei Nachkommastellen genau gemäß NRF I.2.1.1. unter Verwendung der Angaben auf dem Prüfzertifikat (Hinweis: zur Nutzung des Direktlinks zuvor bitte auf www.dac-nrf.de einloggen)
  • Ist ein Korrekturfaktor bereits auf dem Substanzgefäß angegeben, ist die Korrektheit bei der Eingangskontrolle durch Nachrechnen zu kontrollieren.

zum EKF-Online-Rechner des DAC/NRF

allgemeine Informationen des DAC/NRF zur Einwaagekorrektur

(Hinweis: zur Nutzung der Direktlinks zuvor bitte auf www.dac-nrf.de einloggen, ansonsten: www.dac-nrf.de > Tools > Einwaagekorrektur bzw. www.dac-nrf.de > Tools > Rechner)

Verfahrenstipps für die Praxis

  • Korrekturfaktor f direkt bei der Eingangsprüfung berechnen
  • Korrekturfaktor auf dem Stand- bzw. Vorratsgefäß aufbringen
  • verordnete Substanzmenge (= Soll-Einwaage) mit dem errechneten Korrekturfaktor f multiplizieren
  • sofern ein Mindergehalt des Wirkstoffes vorliegt (wenn also f > 1), resultiert eine höhere Substanzeinwaage als verordnet
  • Achtung: auf dem Etikett nicht die korrigierte Einwaage, sondern die ursprünglich verordnete Substanzmenge (= Soll-Einwaage) angeben
  • bei der Rezeptabrechnung korrigierte Einwaagemenge zugrunde legen
  • bei Substanzgehalten über 100 % erst ab einem Mehrgehalt von 10 % (Substanzgehalt > 110 %) den Einwaagekorrekturfaktor ermitteln (Faktor f dann < 1)

Achten Sie auf eine ggf. unterschiedliche chemische Struktur der Wirkstoffe (unterschiedliche Molekulargewichte)

  • zum Beispiel wenn ein wasserfreies Salz (zum Beispiel Atropinsulfat) verordnet wurde, wohingegen der Ausgangsstoff laut Analysenzertifikat in der Hydratform vorliegt (zum Beispiel Atropinsulfat-Monohydrat)
  • zum Beispiel, wenn sich die Gehaltsangabe im Prüfzertifikat von Riboflavinphosphat-Natrium auf Riboflavin als wasserfreie Substanz bezieht

Verwechslungsgefahr Salz, Ester, Base

Arzneistoff mögliche Verwechslung mit
Betamethason-17-valerat Betamethason (topisch nahezu unwirksam)
Betamethason-21-valerat (nur 15 % Wirksamkeit)
Clobetasol-17-propionat Clobetasol (topisch nahezu unwirksam)
Dexamethason Dexamethasonacetat
17ß-Estradiol(-hemihydrat) 17α-Estradiol, Estradiolbenzoat
Hydrocortison Hydrocortisonacetat
Prednisolon Prednisolonacetat
Testosteron Testosteronpropionat
Triamcinolonacetonid Triamcinolon (topisch nahezu unwirksam)

 

 Quelle: Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker