Kammerversammlung tagt erstmals in Bielefeld

Apothekerparlament stellt Weichen für umfassende Reform des Notdienstes

(Münster/Bielefeld, 8. Juni 2011) Aus vielen kleinen Insellösungen soll ein tragfähiges Gesamtsystem für ganz Westfalen-Lippe werden: Auf seiner Frühjahrssitzung am Mittwoch in Bielefeld hat das westfälisch-lippische Apothekerparlament die Weichen für eine umfassende Reform des Nacht- und Notdienstes gestellt. Darüber hinaus befassten sich die 118 Delegierten mit der aktuell schwierigen Lage des Heilberufes. Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening forderte eine unverzügliche Kurskorrektur in der Gesundheitspolitik.

„Die Apotheker sind durch die jüngste Gesundheitsreform als einzige Leistungserbringer im Gesundheitssystem belastet worden – und dies weit über das verkraftbare Maß“, kritisierte die Kammerpräsidentin. „Unsere Auswertungen zeigen, dass das von der Bundesregierung für zwei Jahre vorgesehene Einsparvolumen bereits binnen eines Jahres erzielt wird“, so Overwiening weiter. „Wir fordern daher eine konkrete Entlastung der Apotheken bereits im nächsten Jahr – zum Beispiel durch eine Absenkung des Kassenabschlages.“

Gerade einmal 2,5 Prozent der Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen entfallen derzeit auf die Apotheken. „Dafür stellen wir eine flächendeckende und wohnortnahe Arzneimittelversorgung rund um die Uhr sicher. Wer meint,  über weitere Einsparungen im Apothekenbereich das Gesundheits-system sanieren zu können, lenkt von den wahren Ausgabentreibern und Kostenfaktoren im Gesundheitswesen ab und gefährdet unseren heilberuflichen Auftrag“, so Overwiening.

Notdienstreform 2012: „Der Blick aus der Vogelperspektive“

Ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal der öffentlichen Apotheken ist und bleibt der flächendeckende Nacht- und Notdienst. Dieser soll, so der Wille der Delegierten, zum Jahreswechsel auf vollständig neue Beine gestellt werden: „Derzeit besteht Westfalen-Lippe gleichsam aus einem Flickenteppich von 95 historisch gewachsenen Notdienstkreisen“, erläutert Geschäftsführer Dr. Andreas Walter. Die einzelnen Notdienstregelungen hätten sich zwar alle für sich gesehen bewährt, es fehle aber an einem Zusammenspiel untereinander. Ein Beispiel: Im Notdienstkreis Münster beträgt die Entfernung von südlichen Stadtteil Wolbeck bis in den nördlichen Stadtteil Sprakel etwa 17 Kilometer. „Für die Bewohner Wolbecks sind es bis in die Nachbarstadt Albersloh aber nur etwa fünf Kilometer.“

Künftig soll daher ein vollständiges Notdienstnetz über Westfalen-Lippe gespannt werden. Dieses biete zwei Vorteile, so Dr. Andreas Walter: „Die durchschnittlichen Entfernungen zur nächsten dienstbereiten Apotheke werden sich verkürzen, und die Notdienstbelastung wird gleichmäßiger unter den Apotheken verteilt.“

Gerade in Zeiten von EHEC: Organspende wird immer wichtiger

Die Frühjahrssitzung der Kammerversammlung findet am Vortag des diesjährigen Tags der Apotheke statt. Am Donnerstag, 9. Juni, lautet das Motto „In jedem steckt ein Lebensretter.“  Die vielen teilnehmenden Apotheken klären über das Thema Organspende auf und unterstützen die Kampagne „Fürs Leben“ der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO).

„Eine aktive Auseinandersetzung mit dieser wichtigen Frage geht schließ-lich alle Menschen etwas an. Denn egal ob Apotheker oder Apothekenkunde: In jedem steckt ein potenzieller Lebensretter“, betont Vizepräsident René Graf. „Als wichtige Ansprechpartner für alle Gesundheitsfragen vor Ort ist es vielen Apothekenteams demnach ein Herzensanliegen, diese besondere Form von lebensrettenden Sofortmaßnahmen zu unterstützen. Gerade angesichts der aktuellen EHEC-Erkrankungen, die zum Teil zum Nierenversagen führen, zeigt sich, wie sehr wir in unserem Land auf Organspenden angewiesen sind.“ Die Apotheken-Teams werden ab morgen ihre Kunden mit Plakaten und Handzetteln für dieses wichtige Thema sensibilisieren. „Für Patienten liegen mehrere Millionen Organspendeausweise in den Apotheken bereit, die sie mit nach Hause nehmen und dort in Ruhe ausfüllen können“, so Graf.

Erstmals seit über 50 Jahren: Bielefeld als Tagungsort

Die 118 Delegierten des westfälisch-lippischen Apothekerparlaments müs-sen bis in die Abendstunden noch eine umfangreiche Tagesordnung bewäl-tigen. Auf dem Programm stehen unter anderem die Geschäftsberichte und Jahresabschlüsse der Kammer und des ihr angeschlossenen Versorgungswerkes und diverse Satzungsänderungen. Erstmals seit fast 60 Jahren tagt die Kammerversammlung nicht in Münster, sondern in Bielefeld. „Mein Ziel ist es, unsere berufsständische Selbstverwaltung stärker an die Basis der Mitglieder zu rücken“, betont Gabriele Regina Overwiening. Daher finden die Herbstsitzungen zwar weiter in Münster, die Frühjahrssitzung jedoch an wechselnden Orten in Westfalen-Lippe statt.


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Das Apothekerparlament für Westfalen-Lippe hat heute die Weichen für einen umfassende Reform des Notdienstes gestellt. (Bild: ABDA, Abdruck kostenfrei)

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