Jahresbilanz: Erträge und Zahl der Apotheken leicht rückläufig

Westfälisch-lippische Apotheker sind "Deutsche Fortbildungsmeister"

(Münster, 17. März 2010) Eine deutlich erhöhte Fortbildungsaktivität trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten – auf diese kurze Formel lässt sich die Jahresbilanz 2009 der Apothekerkammer Westfalen-Lippe bringen. Im vergangenen Jahr wuchs die Zahl der Fortbildungsteilnehmer um etwa 40 Prozent – auf gut 23.000. Die Zahl der von der Kammer angebotenen Seminare und Vorträge stieg von 254 auf einen Rekordwert von 359.

„Damit hat jeder Apotheker, der in einer öffentlichen Apotheke tätig ist, im Schnitt mehr als fünf Fortbildungen unserer Kammer besucht“, resümiert Kammerpräsidentin Gabriele Regina Overwiening. Die Apotheker in Westfalen-Lippe sind damit „Deutsche Fortbildungsmeister 2009“ – dies betrifft sowohl die Gesamtzahl der Teilnehmer als auch die Fortbildungsaktivität pro Kopf. Dennoch sind weitere Steigerungen vorprogrammiert: „Ein Ziel unserer 2009 beschlossenen Qualitätsoffensive war die Verdoppelung der Zahlen binnen drei Jahren.“ Die Kammerpräsidentin ist zuversichtlich, dass dieses Ziel bereits im zweiten Jahr erreicht werden kann: „Für 2010 peilen wir 500 Fortbildungen mit bis zu 30.000 Teilnehmern an.“

Roherträge im Sinkflug

Weniger rosig sind derzeit die wirtschaftlichen Aussichten für die Apotheker. Die Roherträge in den Apotheken befinden sich seit dem Jahr 2004 auf einem kontinuierlichen Sinkflug. Aktuell schreibt mehr als ein Drittel der Apotheken rote Zahlen. Kammerpräsidentin Overwiening kritisiert: „Inzwischen wandern von jedem Euro, den die Gesetzlichen Krankenversicherungen für Arzneimittel ausgeben, 64 Cent an die pharmazeutische Industrie, 16 Cent in den Staatssäckel, 5 Cent an den Großhandel und nur noch 15 Cent in die Apotheken, die davon u. a. noch ihre 145.000 Arbeitsplätze und diverse Gemeinwohlaufgaben wie den flächendeckenden Not- und Nachtdienst finanzieren müssen.“

Eine Folge: Die Zahl der Apotheken, die über fünf Jahre konstant war, sinkt langsam ab – von 2.246 zu Jahresbeginn 2009 auf aktuell 2.230. Dies geht jedoch nicht mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahlen einher. Diese sind im dritten Jahr in Folge gestiegen – von 14.330 auf 14.518 (+ 1,3 Prozent).

Trend zur Filialisierung geht weiter

Verstetigt hat sich im Jahr 2009 der Trend zur Filialisierung im Apothekenbereich. Mittlerweile wird jede sechste Apotheke in Westfalen-Lippe als Filiale geführt: Die Zahl der Filialapotheken stieg von 316 auf 359 an. Seit der Gesundheitsreform 2004 ist es für Apotheker möglich, neben ihrer Hauptapotheke bis zu drei weitere Filialen im gleichen oder benachbarten Kreis zu betreiben. „Ohne die Möglichkeit, Filialen zu betreiben, würde ein Großteil dieser oftmals im ländlichen Raum gelegenen Apotheken nicht mehr existieren“, sagt Vizepräsident René Graf.

Er sieht die Kammer in der Pflicht, neue Konzepte zu entwickeln, die der zu erwartenden demographischen Entwicklung Rechnung tragen: Wie das Gesundheitswesen den medizinischen und pharmazeutischen Fortschritt bei immer weniger nachkommenden jungen Menschen und gleichzeitiger Längerlebigkeit der Älteren bewältigen kann, ist auch das Kernthema einer Tagung der Apothekerkammer: Am 14. und 15. April werden Gesundheitsexperten, Politiker und Patientenvertreter im Rahmen der 1. Münsteraner Gesundheitsgespräche darüber diskutieren. Ziel der Veranstaltung, so Graf, sei die Verabschiedung einer Münsteraner Gesundheitserklärung mit konkreten Zielsetzungen und Handlungsempfehlungen.

Alle Zahlen – Daten – Fakten in Kürze:

  • Die Zahl der Mitglieder der Apothekerkammer stieg um knapp zwei
    Prozent von 6.935 (31.12.2008) auf 7.054 (31.12.2009).
  • Die Gesamtzahl der Apotheken verringerte sich von 2.246 auf
    2.230. Davon werden 359 (16,1 Prozent) als Filialen geführt.
  • Weiter gestiegen ist die Zahl der Arbeitsplätze in den Apotheken.
    Sie erhöhte sich von 14.330 auf 14.518.

 


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Pressemitteilung zur Jahrespressekonferenz

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