Wenn Karnevalshochstimmung auf feierfreudige Menschen trifft, geraten Leber, Magen und Kreislauf so manches Mal an ihre Grenzen. Damit „Alaaf“ und „Helau“ nicht von Übelkeit oder Sodbrennen begleitet werden und die närrischen Tage bestmöglich enden, geben Apothekerinnen und Apotheker wertvolle Hinweise für die fünfte Jahreszeit.
Egal ob beim Kneipen- oder im Straßenkarneval: An den „tollen“ Tagen steht eine ausgewogene Ernährung nicht unbedingt im Vordergrund. Es wird herzhaft gegessen und reichlich genascht. Vieles davon kann die Magensäureproduktion anregen – und damit Sodbrennen oder Magenschmerzen auslösen. Apothekerin Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe: „Sehr fettige oder scharf gewürzte Speisen fördern die Säurebildung besonders, ebenso wie koffeinhaltige und alkoholhaltige Getränke oder Süßigkeiten.“ Ihr Rat: Genuss ja, aber in Maßen.
Was hilft bei Sodbrennen und Magenproblemen
Pflanzliche Arzneien können helfen, den Magen zu beruhigen. „Bittere Extrakte aus Enzian, Wermut, Löwenzahn oder Schafgarbe, oft in Kombination, regen die Verdauung an und sollten etwa eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen werden“, sagt die Apothekerin. Wer allerdings bereits unter Magensäureüberschuss leidet, sollte Bitterstoffe meiden. „In diesen Fällen sind säurebindende Antazida die bessere Wahl.“ Bevor man jedoch überhaupt ein Mittel einnimmt, rät die Apothekerin zum Gang in die Apotheke, um sich umfassend beraten zu lassen, denn: „Pflanzlich heißt nicht gleich harmlos. Auch pflanzliche Arzneien können Wechsel- und Nebenwirkungen haben, vor allem, wenn auch andere Medikamente eingenommen werden.“
Gegen Blähungen empfehlen Apothekerinnen und Apotheker traditionell Anis- oder Fenchelsamen. In Apotheken gibt es dafür fertige Teemischungen. „Reichen pflanzliche Mittel nicht aus, können synthetische Entschäumer den Druck im Bauch reduzieren“, erläutert von Elsenau Overwiening. Auch hier ist eine vorhergehende Beratung durch das Team in der Apotheke wichtig,
Besonders ältere Menschen sollten um Magenprobleme so weit als möglich zu vermeiden, auf moderate Mahlzeiten achten. „Überlasten Sie Ihren Magen nicht mit zu großen Portionen“, rät von Elsenau Overwiening. „Essen Sie lieber kleine Snacks über den Tag verteilt und meiden Sie abends schwere, süße oder kohlensäurehaltige Getränke.“
Was gegen die Folgen von Alkohol hilft
Viele Karnevalsfeiernde unterschätzen, wie schnell Alkohol Wirkung zeigt – besonders auf nüchternen Magen. „Eine ausgewogene, gern auch etwas deftigere Mahlzeit vor der Party verlangsamt die Aufnahme von Alkohol“, sagt von Elsenau Overwiening. Während des Feierns gelte: „Nicht alles durcheinandertrinken. Bleiben Sie bei einer Sorte und lassen Sie sich bei jedem Glas Zeit.“
Das wichtigste Gegenmittel bleibt jedoch profan: Wasser. „Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit. Deshalb sollte man schon vor der Feier ausreichend trinken und zwischendurch immer wieder ein Glas Wasser zu sich nehmen“, so die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Das könne zumindest verhindern, dass die Kopfschmerzen am nächsten Tag nicht zu sehr überhandnehmen.
Die verbreitete Hoffnung, den Alkoholabbau beschleunigen zu können, ist trügerisch. „Der Körper braucht dafür seine Zeit, und diese Dauer ist individuell verschieden, ist abhängig von Alter und Gewicht ab“, erklärt von Elsenau Overwiening. Frauen bauen Alkohol meist langsamer ab als Männer – ein biologischer Unterschied, der oft unterschätzt wird. Auch dem Mythos vom „Konterbier“ erteilt die Apothekerin eine klare Absage. „Noch mehr Alkohol hilft dem Körper an dieser Stelle überhaupt nicht.“ Stattdessen sollten Betroffene weiterhin Wasser trinken und sich Ruhe gönnen. Bei Kopfschmerzen oder Übelkeit können geeignete Schmerz- oder Magenmittel helfen. „Wichtig ist, dass die Dosierung stimmt und das Präparat zum individuellen Bedarf passt“, betont von Elsenau Overwiening. „Das sollte unbedingt im Vorfeld abgeklärt werden“. Das gelte vor allem für die Personen, die dauerhaft Medikamente einnehmen oder auch eine empfindliche Magenschleimhaut haben. „Die Apotheken beraten hier gerne und finden die jeweils passenden Präparate“, unterstreicht Apothekerin von Elsenau Overwiening.