Logo der Apothekerkammer Westfalen-Lippe

Verleihung des 8. Journalistenpreises der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe

Für sechs herausragende journalistische Beiträge verlieh die Apothekerstiftung Westfalen-Lippe am Montagabend in Münster ihren achten Journalistenpreis mit einem Gesamtpreisgeld von 12.000 Euro. Rund 80 Gäste verfolgten im „1648“ vor der Kulisse des 360 Grad-Münster-Panoramas eine abwechslungsreiche Preisverleihung, bei der erstmals auch ein Podcast prämiert wurde.

In seiner Begrüßung hob Frank Dieckerhoff, Vizepräsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, die Wichtigkeit von Qualitätsjournalismus hervor: „Wir haben den Journalistenpreis ins Leben gerufen, um Beiträge zu prämieren, die sich ehrlich und kritisch mit Apotheken, Pharmazie und Arzneimitteln auseinandersetzen. Es ist enorm wichtig, dass wir Qualitätsjournalismus würdigen.“


Preisgekrönte Beiträge und ihre Autorinnen und Autoren

In der Kategorie Print/Online wurde Johanna Feckl für ihren Beitrag „Kühl bleiben“, der in der Süddeutschen Zeitung (Ausgabe Ebersberg) veröffentlicht wurde, mit 1.500 Euro ausgezeichnet. In dem Artikel thematisiert Feckl die Auswirkungen steigender Temperaturen auf Arzneimittel und die wachsenden Anforderungen an Apotheken, um vorgeschriebene Lagerbedingungen einzuhalten. „Johanna Feckl hat es geschafft, aus scheinbar technischen Details eine Geschichte zu machen, die von der Zukunft der wohnortnahen Versorgung handelt“, stellte Laudator Kai Heddergott, stellvertretender Vorsitzender des Pressevereins Münster-Münsterland, heraus. Preisträgerin Johanne Feckl nutzte ihre Redezeit für einen Aufruf: „Reden Sie mit Journalisten und Journalistinnen. Damit wir Ihre Geschichten sichtbar machen können.“

Ebenfalls mit 1.500 Euro geehrt wurde die Spiegel-Reportage „Viele Menschen nehmen L-Thyroxin, obwohl sie es nicht bräuchten“. Autorin Marthe Ruddat beleuchtet darin, wie Überdiagnostik und veraltete Ultraschall-Referenzwerte bei Millionen Menschen in Deutschland zu einer jahrelangen Übertherapie mit dem Schilddrüsenmedikament führen. Laudator Dr. Frank Biermann, Vorstandsmitglied der Fachgruppe Medien ver.di NRW, würdigte Ruddat für ihre Leistung, „ein sehr komplexes Thema anschaulich und verständlich“ darzustellen, und betonte: „Journalismus wirkt. Guter Journalismus bleibt nicht folgenlos. Nie.“

Jeweils 1.500 Euro erhielten die Beiträge „Internationale Apotheke in Hagen: Hier werden 25 Sprachen gesprochen“ von Sonja Gerhardt, von WDR Lokalzeit Dortmund / Duisburg / Ruhr, und „Syrer arbeitet wieder als Apotheker in Bad Wünnenberg“ von Jan-Ole Niermann, von der WDR Lokalzeit OWL. Beide Beiträge zeigen auf unterschiedliche Weise, wie international Apotheken heute aufgestellt sind: So hat die Hagener Apotheke seit 70 Jahren den Anspruch, auch Menschen weiterzuhelfen, die kein Deutsch sprechen. Die rund 80 Beschäftigten, von denen rund die Hälfte einen Migrationshintergrund hat, sprechen insgesamt 25 Sprachen.

Der in Bad Wünnenberg lebende Apotheker Kaniwar Mohamed führte in Syrien zwei Apotheken. Dann zwang ihn der Bürgerkrieg zur Flucht. Vor zehn Jahren kam er nach Deutschland und fing bei null an, durchlief Prüfungen zur Anerkennung seiner Approbation und kann nun wieder als Apotheker arbeiten.

Der Jurypräsident des Journalistenpreises, Prof. Dr. Achim Baum, emeritierter Professor für PR und Journalismus an der Hochschule Osnabrück, Campus Lingen, betonte in seiner Laudatio, die beiden Beiträge seien „Beispiele dafür, was die Regionalberichterstattung des öffentlichen Rundfunks tagtäglich leisten kann: Fernsehen, das uns allen gehört, in dem Journalistinnen und Journalisten gute und zuverlässige Arbeit machen, die unseren Horizont erweitert.“

Als „konsequent, dicht und fesselnd erzählt“ beschrieb Laudatorin Andrea Benstein, WDR-Landesstudioleiterin Westfalen (Bielefeld, Münster, Siegen) den dritten Preisträger der Kategorie Video. Mit 3.000 Euro Preisgeld wurde die SWR-Produktion „Pharmaland Südwest – Hightech statt Grundversorgung?“ ausgezeichnet. „Es handelt sich um einen Film, der nicht weniger als einen nationalen Notstand beschreibt“, so Benstein. In seinem Film thematisiert Mark Michel den Spagat zwischen Medizininnovation und Versorgungssicherheit und stellt die Frage, ob Deutschland beides langfristig vereinen kann.


Erstmals ein Podcast ausgezeichnet

In der Kategorie Hörfunk kam es am Montagabend zu einer Premiere: Erstmals wurde ein Podcast mit dem Journalistenpreis der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe ausgezeichnet. In „Wolf of Cannabis“ taucht Host Marlene Halser in die Cannabis-Industrie ein. Eine Branche zwischen Legalisierung, Unsicherheit und Wildwest-Mentalität. Für die siebenteilige Produktion erhielt Halser ein Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro.

Laudatorin Corinna Bischof, Geschäftsführerin der Agentur lege artis: „In einer Zeit, in der sich Mediennutzung rasant verändert, schafft der Podcast Raum. Er schafft Nähe, ohne Komplexität zu verlieren und nutzt die Freiheit des Formats, um ein Thema zu beleuchten, das lange zwischen Klischee und politischer Willkür steckte.“


Zum Journalistenpreis

Die Preisverleihung der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe hat erneut gezeigt, wie wichtig qualitativ hochwertiger Journalismus ist, der gesellschaftlich relevante Themen aufgreift und kritisch hinterfragt. Die ausgezeichneten Beiträge decken ein breites Spektrum ab und setzen Maßstäbe in ihren jeweiligen Kategorien. Die Apothekerstiftung unterstreicht mit ihrem Journalistenpreis ihr Engagement für seriöse Berichterstattung und die Unterstützung von Journalisten, die in ihrer Arbeit unabhängig und mutig sind. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen, der nächste Bewerbungszeitraum umfasst Beiträge aus den Jahren 2026/27.