Unter dem Motto „Glück ist keine Glückssache“ ist die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) mit ihrer Jahresauftaktveranstaltung in das Kammerjahr 2026 gestartet. In der „Cloud“ des Factory Hotels am Germania Campus Münster folgten knapp 200 Kammerangehörige und Gäste der Einladung zu einem ebenso wissenschaftlich fundierten wie lebensnahen Impulsvortrag der Münsteraner Wirtschafts- und Organisationspsychologin Professorin Lioba Werth.
Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, was Menschen tatsächlich glücklich macht – und was nicht. Gleich zu Beginn räumte Werth mit verbreiteten Mythen auf: Glück sei weder angeboren noch primär von äußeren Umständen abhängig. „Die Umstände entscheiden nicht maßgeblich über unser Glücklichsein“, machte die Referentin deutlich. Vielmehr liege ein erheblicher Teil des Glückserlebens in der eigenen Haltung, im Denken und im Verhalten.
Anhand anschaulicher Grafiken, Studienergebnisse und vieler alltagsnaher Beispiele zeigte Werth, dass Glück kein dauerhafter Zustand, sondern ein dynamischer Prozess ist, für den wir in großem Maße selbst verantwortlich sind. Bewusstes Handeln, betonte Werth, könne dabei helfen, mehr Zufriedenheit im Alltag zu erleben. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte „Glücksaktivitäten“, die wissenschaftlich gut belegt sind. Dazu zählen unter anderem Dankbarkeit und Optimismus, der bewusste Umgang mit Grübeleien („die bringen niemanden weiter“) und sozialen Vergleichen („lassen Sie das“) sowie das Pflegen tragfähiger sozialer Beziehungen.
Besonderes Augenmerk legte die Referentin auf zwischenmenschliche Aspekte: Beziehungen seien keine Zufallsprodukte, sondern müssten aktiv gestaltet werden: durch Zeit und Wertschätzung. Auch Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit wirkten dabei doppelt: Sie machten nicht nur die Empfänger*innen, sondern auch die Gebenden glücklicher. Ebenso wichtig sei der konstruktive Umgang mit Krisen, Stress und Verletzungen. Wer lerne, sich selbst und anderen zu vergeben, schaffe Raum für einen inneren Neustart.
Weitere Glücksfaktoren seien das Erleben von Flow, also das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit, der bewusste Genuss im Hier und Jetzt sowie das Setzen sinnvoller Ziele. „Glückliche Menschen haben ein Projekt, keine Leere“, so Werth. Auch das Thema Selbstfürsorge dürfe nicht unterschätzt werden: Bewegung, Meditation und ein achtsamer Umgang mit sich selbst seien wirkungsvolle Glücksbringer – für Leib und Seele.
Kammerpräsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening dankte Lioba Werth für den inspirierenden Vortrag, der zahlreiche Impulse für den beruflichen und privaten Alltag geliefert habe. Die Jahresauftakt-Veranstaltung sei eine gelungene Premiere für die AKWL – „und vielleicht sollte daraus ja ein jährliches Ritual werden“.
Weitere Eindrücke der Veranstaltung finden Sie im Video auf unserem YouTube-Kanal.
Wer einen weiteren Vortrag von Lioba Werth sehen möchte, habe nun viel Zeit für Vorfreude, so die Präsidentin: „Am 19. September spricht die Referentin im Rahmen der diesjährigen Vortragsveranstaltung der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe über den ,Umgang mit der Macht‘ im münsterischen Erbdrostenhof. Schon jetzt können Sie sich dazu anmelden.“ Anmeldungen unter www.akwl.de