Logo der Apothekerkammer Westfalen-Lippe

Professorin Dr. Lioba Werth: Umgang mit der Macht

Wir laden Sie herzlich zur 18. Vortragsveranstaltung der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe am Samstag, 19. September 2026 in Münster ein. Die diesjährige Veranstaltung steht unter dem Titel „Vom Umgang mit der Macht“. Die renommierte Expertin Professorin Dr. Lioba Werth aus Münster spricht über das Thema „Macht“ und darüber, was die Macht mit uns macht. „Macht begegnet uns überall dort, wo Menschen aufeinandertreffen.“

Die Veranstaltung ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, daher erfolgt die Vergabe der Plätze nach Eingang der Anmeldungen.

Die Anmeldung erfolgt über unseren Veranstaltungskalender.

Jahresauftakt-Event der Apothekerkammer Westfalen-Lippe mit inspirierendem Impulsvortrag

Unter dem Motto „Glück ist keine Glückssache“ ist die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) mit ihrer Jahresauftaktveranstaltung in das Kammerjahr 2026 gestartet. In der „Cloud“ des Factory Hotels am Germania Campus Münster folgten knapp 200 Kammerangehörige und Gäste der Einladung zu einem ebenso wissenschaftlich fundierten wie lebensnahen Impulsvortrag der Münsteraner Wirtschafts- und Organisationspsychologin Professorin Lioba Werth.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Frage, was Menschen tatsächlich glücklich macht – und was nicht. Gleich zu Beginn räumte Werth mit verbreiteten Mythen auf: Glück sei weder angeboren noch primär von äußeren Umständen abhängig. „Die Umstände entscheiden nicht maßgeblich über unser Glücklichsein“, machte die Referentin deutlich. Vielmehr liege ein erheblicher Teil des Glückserlebens in der eigenen Haltung, im Denken und im Verhalten.

Anhand anschaulicher Grafiken, Studienergebnisse und vieler alltagsnaher Beispiele zeigte Werth, dass Glück kein dauerhafter Zustand, sondern ein dynamischer Prozess ist, für den wir in großem Maße selbst verantwortlich sind. Bewusstes Handeln, betonte Werth, könne dabei helfen, mehr Zufriedenheit im Alltag zu erleben. Eine zentrale Rolle spielen dabei sogenannte „Glücksaktivitäten“, die wissenschaftlich gut belegt sind. Dazu zählen unter anderem Dankbarkeit und Optimismus, der bewusste Umgang mit Grübeleien („die bringen niemanden weiter“) und sozialen Vergleichen („lassen Sie das“) sowie das Pflegen tragfähiger sozialer Beziehungen.

Besonderes Augenmerk legte die Referentin auf zwischenmenschliche Aspekte: Beziehungen seien keine Zufallsprodukte, sondern müssten aktiv gestaltet werden: durch Zeit und Wertschätzung. Auch Hilfsbereitschaft und Großzügigkeit wirkten dabei doppelt: Sie machten nicht nur die Empfänger*innen, sondern auch die Gebenden glücklicher. Ebenso wichtig sei der konstruktive Umgang mit Krisen, Stress und Verletzungen. Wer lerne, sich selbst und anderen zu vergeben, schaffe Raum für einen inneren Neustart.

Weitere Glücksfaktoren seien das Erleben von Flow, also das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit, der bewusste Genuss im Hier und Jetzt sowie das Setzen sinnvoller Ziele. „Glückliche Menschen haben ein Projekt, keine Leere“, so Werth. Auch das Thema Selbstfürsorge dürfe nicht unterschätzt werden: Bewegung, Meditation und ein achtsamer Umgang mit sich selbst seien wirkungsvolle Glücksbringer – für Leib und Seele.

Kammerpräsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening dankte Lioba Werth für den inspirierenden Vortrag, der zahlreiche Impulse für den beruflichen und privaten Alltag geliefert habe. Die Jahresauftakt-Veranstaltung sei eine gelungene Premiere für die AKWL – „und vielleicht sollte daraus ja ein jährliches Ritual werden“.

Weitere Eindrücke der Veranstaltung finden Sie im Video auf unserem YouTube-Kanal

Wer einen weiteren Vortrag von Lioba Werth sehen möchte, habe nun viel Zeit für Vorfreude, so die Präsidentin: „Am 19. September spricht die Referentin im Rahmen der diesjährigen Vortragsveranstaltung der Apothekerstiftung Westfalen-Lippe über den ,Umgang mit der Macht‘ im münsterischen Erbdrostenhof. Schon jetzt können Sie sich dazu anmelden.“ Anmeldungen unter www.akwl.de

Apothekenreform und Weiterentwicklung des PTA-Berufs im Fokus

In Münster kamen ADEXA-Bundesvorstandsmitglied Andreas May, Kammerpräsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening und Hauptgeschäftsführer Michael Schmitz zu einem fachlichen Austausch zusammen. Zentrale Themen des gut dreistündigen Treffens im Apothekerhaus waren das derzeit diskutierte Apothekenreformgesetz und gemeinsame Überlegungen zur Stärkung und Aufwertung des PTA-Berufs.

May und von Elsenau Overwiening stellten einvernehmlich fest, dass – auch mit Blick auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die im Koalitionsvertrag festgeschriebene Erhöhung des Fixhonorars je abgegebener Arzneimittelpackung von 8,35 auf 9,50 Euro unverzüglich umzusetzen sei: „Wer es mit der Stärkung der Vor-Ort-Apotheken als unverzichtbarem Bestandteil der Gesundheitsversorgung und der sozialen Infrastruktur ernst meint, darf sie nicht weiter kaputtsparen“, so von Elsenau Overwiening. Andreas May ergänzte: „Es wird nicht gelingen, steigende Personalkosten, tarifliche Lohnsteigerungen und den zunehmenden Fachkräftemangel in den Apotheken zu bewältigen, wenn die Politik die zugesagte verlässliche und planbare Honorarentwicklung verweigert.“

Beide waren sich darin einig, dass das von der Großen Koalition vorgelegte Reformgesetz einige sinnvolle Elemente enthält – wie etwa die Erhöhung der Nacht- und Notdienstpauschale, den Abbau unnötiger Bürokratie und die Erweiterung des Katalogs der pharmazeutischen Dienstleistungen. Einig waren sich May und von Elsenau Overwiening auch in der Ablehnung der Regelungen zu einer befristeten Vertretung durch PTA: „Zum einen ist diese Regelung weder ausgereift noch zu Ende gedacht. Zum anderen löst sie keines unserer strukturellen Versorgungsprobleme. Diese entstehen insbesondere dadurch, dass die wohnortnahen Apotheken seit Jahren chronisch unterfinanziert sind.“

Michael Schmitz stellte in dem Gespräch die umfassenden Aktivitäten zur Förderung des PTA-Berufs vor. Dazu zählen unter anderem die finanzielle Unterstützung der PTA-Schulen im Kammerbezirk sowie der PTA-Campus, eine digitale Plattform zur Vernetzung, Fortbildung und Information. Aktuell sind dort mehr als 9.000 PTA (über 99 Prozent aller PTA im Landesteil) registriert. Ziel dieser Maßnahmen ist es, die fachliche Qualifikation, die Sichtbarkeit und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten von PTA nachhaltig zu verbessern. Mittlerweile entfallen gut zehn Prozent des Kammerhaushaltes auf die Förderung der PTA-Ausbildung und -Fortbildung.

Alle Gesprächspartner hoben die große Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Kammern, Gewerkschaften und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen hervor. Nur durch gemeinsame Strategien lasse sich den aktuellen Herausforderungen – vom Fachkräftemangel bis zu strukturellen Veränderungen im Apothekenwesen – wirksam begegnen und die Zukunft der Apothekenberufe sichern. Fazit: „Verantwortungsvoll agierende Politik ist gut beraten, unsere Expertise frühzeitig einzubinden.“

„Apotheken und Approbierte in NRW“ im Fokus

Die flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit öffentlichen Apotheken in Nordrhein-Westfalen steht seit Jahren unter zunehmendem Druck. Die gemeinsame Studie „Apotheken und Approbierte in NRW“ der Apothekerkammern Westfalen-Lippe und Nordrhein nimmt diese Entwicklung seit 2022 systematisch in den Blick. Zu zentralen Fragestellungen arbeiten die beiden Kammern dabei eng mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen zusammen.

Die jetzt vorliegende Fortschreibung der Studie, die jährlich durch das Institut für Handelsforschung (IFH Köln) erstellt wird, zeichnet erneut ein deutliches Bild der angespannten Versorgungslage. Zwar verfügen weiterhin alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen über mindestens eine Apotheke, doch die strukturellen Risiken nehmen weiter zu. Seit dem Jahr 2010 ist die Zahl der Apotheken im Land um rund ein Viertel zurückgegangen. Allein im Jahr 2025 standen 97 Apothekenschließungen lediglich zwölf Neueröffnungen gegenüber. Damit liegt die Zahl der Apotheken aktuell nur noch bei 3.510 gegenüber 4.673 vor 15 Jahren.

„Noch können wir glücklicherweise knapp von einem flächendeckenden System sprechen. Seit 2010 haben wir jedoch jede vierte Apotheke in Nordrhein-Westfalen verloren. Das ist eine Entwicklung, die wir uns langfristig nicht mehr leisten können“, resümiert Michael Schmitz, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Besonders besorgniserregend ist dabei, dass Schließungen längst nicht mehr ausschließlich kleinere Apotheken betreffen. Zunehmend geben auch wirtschaftlich größere Einheiten auf – mit spürbaren Folgen für die Erreichbarkeit der nächsten geöffneten Apotheke, insbesondere in ländlichen und strukturschwächeren Regionen.

Die Studie zeigt zudem, dass sich die Zahl der Kommunen mit nur noch einer Apotheke in den vergangenen zehn Jahren um fast 80 Prozent erhöht hat. „In einzelnen Kommunen zeigen sich inzwischen deutliche Unterschiede in der Apothekendichte. Gerade auf die Kommunen mit nur noch einer geöffneten Apotheke legen wir ein besonderes Augenmerk“, betont Dr. Stefan Derix, Hauptgeschäftsführer der Apothekerkammer Nordrhein. Diese sogenannten Solitär-Apotheken übernehmen häufig eine überdurchschnittliche Versorgungs- und Notdienstfunktion und sind zugleich besonders vulnerabel gegenüber wirtschaftlichen und personellen Belastungen.

Neben der Apothekenstruktur beleuchtet die Studie auch die Entwicklung der pharmazeutischen Fachkräfte. Während der Bedarf an Pharmazeutinnen und Pharmazeuten in unterschiedlichen Versorgungsbereichen steigt, geht die Zahl der in öffentlichen Apotheken tätigen Offizin-Apothekerinnen und -Apotheker seit mehreren Jahren zurück. Gleichzeitig verändern sich Arbeitszeitmodelle, Altersstrukturen und Verantwortungsprofile – Entwicklungen, die die Stabilität der wohnortnahen Arzneimittelversorgung zusätzlich beeinflussen.

Die Apothekerkammern Westfalen-Lippe und Nordrhein sehen die Ergebnisse der Fortschreibung als klaren Handlungsauftrag. Ziel bleibt es, gemeinsam mit der Landespolitik verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um die wohnortnahe Arzneimittelversorgung nachhaltig zu sichern und den Apothekerberuf in der öffentlichen Apotheke zukunftsfest aufzustellen.

Rheinenser Apotheker Peter Schöning vollendet 80. Lebensjahr

Am heutigen Montag, 16. Februar 2016, vollendet der Rheinenser Apotheker Peter Schöning sein 80. Lebensjahr. Mit großem Engagement und persönlichem Einsatz ist der gebürtige Schleswiger seit Jahrzehnten für den Berufsstand wie auch für die Stadtgesellschaft aktiv. Die Adler-Apotheke, die er gemeinsam mit Heribert Kuhlmann betrieb, wurde vor gut drei Jahren von Alexa Koopmeiners übernommen..

In Krefeld baute Schöning sein Abitur, absolvierte die damals noch übliche Praktikantenzeit und lernte dort zwei Jahre lang – von 1965 bis 1967 – in der Elefanten-Apotheke die Abläufe von Grund auf kennen. In dieser „Lehrzeit“ lernte er auch seine heutige Frau Liselotte, kurz „Lilo“ genannt, kennen, die zeitgleich mit ihm die ersten Schritte in der Pharmazie wagte. Im Jahr 1967 nahm Schöning das Studium der Pharmazie an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster auf. Dieses schloss er 1971 mit dem Staatsexamen und der Approbation als Apotheker ab. Mitten im Studium – 1968 – heiratete der angehende Pharmazeut seine Lilo.

Auf Studium und die Bundeswehrzeit folgte Schönings erste Anstellung als angestellter Apotheker in der Engel-Apotheke in Senden. Eine Zeitungsanzeige, die mit „Apotheke nah der holländischen Grenze zu verpachten“ betitelt war, weckte dann das Interesse der Schönings – wollten sie doch ursprünglich in die Region um Krefeld zurück. Nur war die Adler-Apotheke nicht in der „Seidenstadt“, sondern in Rheine abzugeben. Dennoch überzeugte die Stadt das Apotheker-Ehepaar. So pachteten die Schönings die Apotheke in der Innenstadt 1974 und übernahmen die Offizin später in Gänze.

Neben seiner heilberuflichen Tätigkeit engagierte sich Peter Schöning stets ehrenamtlich: Von 1978 bis 1989 vertrat er die Interessen des Berufsstandes als Mitglied des Apothekerparlamentes der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Direkt im Anschluss wurde er im Kreis Steinfurt zum Kreisvertrauensapotheker gewählt, 1997 kam noch die Funktion als örtlicher Sprecher der Apothekerschaft hinzu. Beide Ämter bekleidete er bis Ende 2019. „Damit war Peter Schöning seit unglaublichen 41 Jahren ehrenamtlich und unermüdlich für die Apothekerschaft im Einsatz“, betont Kammerpräsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening. Doch auch in Gesellschaft und Vereinslandschaft Rheines hinterlässt Schöning tiefe Fußstapfen: Den Innenstadtverein hat er mit aus der Taufe gehoben und kümmert sich im Vorstand bis heute um die Entwicklung der Stadt, spricht mit der Politik und bringt als agiler Netzwerker die richtigen Leute zusammen, damit diese möglichst die richtigen Entscheidungen im Sinne einer lebendigen Innenstadt treffen. Die Leidenschaft für die Pharmazie haben Peter und Lilo Schöning – dieses Jahr seit 58 Jahren verheiratet – übrigens auch an ihre beiden Söhne weitergegeben: Sohn Frank hat Pharmazie studiert und ist Geschäftsführer im Bayer-Konzern. Auch der zweite Sohn, Frederik, ist Apotheker. Er betreibt mittlerweile vier Apotheken in Rheine und ist als Kreisvertrauensapotheker und örtlicher Sprecher des Berufsstandes engagiert. In den weißen Apotheker-Kittel wirft Schöning sich nicht mehr und schlägt sich auch keine Notdienste mehr um die Ohren. Er beobachtet die Szene aber weiterhin haargenau, gilt als bestens informiert und gibt der nächsten Generation ab und an Ratschläge. „Das aber sehr dezent und zurückhaltend“, wie sein engstes Umfeld sich zitieren lässt. Anstelle der Apothekerei verbringt Schöning seine Zeit mit schönen Reisen, dem Innenstadtverein und mit seinen vier Enkelkindern.

Karneval: Tipps für den Magen an den tollen Tagen

Wenn Karnevalshochstimmung auf feierfreudige Menschen trifft, geraten Leber, Magen und Kreislauf so manches Mal an ihre Grenzen. Damit „Alaaf“ und „Helau“ nicht von Übelkeit oder Sodbrennen begleitet werden und die närrischen Tage bestmöglich enden, geben Apothekerinnen und Apotheker wertvolle Hinweise für die fünfte Jahreszeit.

Egal ob beim Kneipen- oder im Straßenkarneval: An den tollen“ Tagen steht eine ausgewogene Ernährung nicht unbedingt im Vordergrund. Es wird herzhaft gegessen und reichlich genascht. Vieles davon kann die Magensäureproduktion anregen – und damit Sodbrennen oder Magenschmerzen auslösen. Apothekerin Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe: Sehr fettige oder scharf gewürzte Speisen fördern die Säurebildung besonders, ebenso wie koffeinhaltige und alkoholhaltige Getränke oder Süßigkeiten.“ Ihr Rat: Genuss ja, aber in Maßen.


Was hilft bei Sodbrennen und Magenproblemen

Pflanzliche Arzneien können helfen, den Magen zu beruhigen. „Bittere Extrakte aus Enzian, Wermut, Löwenzahn oder Schafgarbe, oft in Kombination, regen die Verdauung an und sollten etwa eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen werden“, sagt die Apothekerin. Wer allerdings bereits unter Magensäureüberschuss leidet, sollte Bitterstoffe meiden. „In diesen Fällen sind säurebindende Antazida die bessere Wahl.“ Bevor man jedoch überhaupt ein Mittel einnimmt, rät die Apothekerin zum Gang in die Apotheke, um sich umfassend beraten zu lassen, denn: „Pflanzlich heißt nicht gleich harmlos. Auch pflanzliche Arzneien können Wechsel- und Nebenwirkungen haben, vor allem, wenn auch andere Medikamente eingenommen werden.“

Gegen Blähungen empfehlen Apothekerinnen und Apotheker traditionell Anis- oder Fenchelsamen. In Apotheken gibt es dafür fertige Teemischungen. „Reichen pflanzliche Mittel nicht aus, können synthetische Entschäumer den Druck im Bauch reduzieren“, erläutert von Elsenau Overwiening. Auch hier ist eine vorhergehende Beratung durch das Team in der Apotheke wichtig,

Besonders ältere Menschen sollten um Magenprobleme so weit als möglich zu vermeiden, auf moderate Mahlzeiten achten. „Überlasten Sie Ihren Magen nicht mit zu großen Portionen“, rät von Elsenau Overwiening. „Essen Sie lieber kleine Snacks über den Tag verteilt und meiden Sie abends schwere, süße oder kohlensäurehaltige Getränke.“


Was gegen die Folgen von Alkohol hilft

Viele Karnevalsfeiernde unterschätzen, wie schnell Alkohol Wirkung zeigt – besonders auf nüchternen Magen. „Eine ausgewogene, gern auch etwas deftigere Mahlzeit vor der Party verlangsamt die Aufnahme von Alkohol“, sagt von Elsenau Overwiening. Während des Feierns gelte: „Nicht alles durcheinandertrinken. Bleiben Sie bei einer Sorte und lassen Sie sich bei jedem Glas Zeit.“

Das wichtigste Gegenmittel bleibt jedoch profan: Wasser. „Alkohol entzieht dem Körper Flüssigkeit. Deshalb sollte man schon vor der Feier ausreichend trinken und zwischendurch immer wieder ein Glas Wasser zu sich nehmen“, so die Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe. Das könne zumindest verhindern, dass die Kopfschmerzen am nächsten Tag nicht zu sehr überhandnehmen.

Die verbreitete Hoffnung, den Alkoholabbau beschleunigen zu können, ist trügerisch. „Der Körper braucht dafür seine Zeit, und diese Dauer ist individuell verschieden, ist abhängig von Alter und Gewicht“, erklärt von Elsenau Overwiening. Frauen bauen Alkohol meist langsamer ab als Männer – ein biologischer Unterschied, der oft unterschätzt wird. Auch dem Mythos vom „Konterbier“ erteilt die Apothekerin eine klare Absage. „Noch mehr Alkohol hilft dem Körper an dieser Stelle überhaupt nicht.“ Stattdessen sollten Betroffene weiterhin Wasser trinken und sich Ruhe gönnen. Bei Kopfschmerzen oder Übelkeit können geeignete Schmerz- oder Magenmittel helfen. „Wichtig ist, dass die Dosierung stimmt und das Präparat zum individuellen Bedarf passt“, betont von Elsenau Overwiening. „Das sollte unbedingt im Vorfeld abgeklärt werden“. Das gelte vor allem für die Personen, die dauerhaft Medikamente einnehmen oder auch eine empfindliche Magenschleimhaut haben. „Die Apotheken beraten hier gerne und finden die jeweils passenden Präparate“, unterstreicht Apothekerin von Elsenau Overwiening.

„Eine Dosis Zukunft“: Mobile Klinik und Apotheke erreichen entlegenste Regionen

Das Hilfsprojekt „Eine Dosis Zukunft“, eine Initiative der Apothekerkammer Westfalen-Lippe in Kooperation mit der Kindernothilfe, blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2025 zurück – dank einer entscheidenden Neuausrichtung: Statt ausschließlich Impfungen in den Slums Kalkuttas zu finanzieren, liegt der Fokus nun auf der medizinischen Grundversorgung und dem Schutz von Kindern in den abgelegenen Regionen des Sundarban-Deltas.

„Die staatlichen Impfprogramme in Indien sind inzwischen gut ausgebaut. Doch für die Menschen in den entlegensten Dörfern südöstlich von Kalkutta bleibt der Zugang zu medizinischer Versorgung nahezu unerreichbar“, erklärt Kammerpräsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening. „Mit unserer Unterstützung können wir genau hier helfen: mit einer mobilen Klinik, einer integrierten Apotheke und der Ausbildung lokaler Gesundheitsarbeiterinnen.“

Neue Projektausrichtung: Eine Dosis Zukunft – Mit.Wirkung vor Ort

Die Projektregion im Grenzgebiet zu Bangladesch ist geprägt von extremer Armut, fehlender Infrastruktur und regelmäßigen Naturkatastrophen. Zyklone und Überschwemmungen zerstören Häuser und Ernten, Kinderarbeit und Kinderhandel sind weit verbreitet. Staatliche Gesundheitszentren sind kaum erreichbar, Medikamente fehlen.

Seit der Neuausrichtung trägt das Projekt den Namen „Eine Dosis Zukunft – Mit.Wirkung vor Ort“. Aus gutem Grund: Das Projekt bringt medizinische Hilfe dorthin, wo es bisher keine gab. Mit einer mobilen Klinik und integrierter Apotheke werden fünf Tage pro Woche 47 abgelegene Dörfer im Sundarban-Delta angefahren. Pro Einsatztag können rund 100 Patientinnen und Patienten behandelt werden. Ergänzend bildet das Projekt Frauen aus den Gemeinden zu sogenannten Gesundheitsarbeiterinnen aus, die langfristig die Versorgung übernehmen. Neben der medizinischen Betreuung stehen Gesundheitsaufklärung und Kinderschutz im Mittelpunkt – zu Themen wie Prävention, Familienplanung und Schutz vor Kinderhandel. Durch Vernetzung mit staatlichen Stellen soll die Gesundheitsversorgung nachhaltig verbessert werden.

Die Bilanz des Projektjahres 2024/25 zeigt die Wirkung: 17.018 Menschen erhielten medizinische Hilfe, 335 wurden zur Weiterbehandlung in staatliche Krankenhäuser überwiesen. 7.840 Hausbesuche sicherten die Medikamenteneinnahme chronisch kranker Menschen. 10.236 Menschen nahmen an Aufklärungsprogrammen teil, darunter Diabetes-Camps und Veranstaltungen zur Familienplanung. Zudem wurden 157 Community Health Volunteers geschult, um Wissen in die Gemeinden zu tragen.

Spendenbilanz 2025

Im 17. Jahr der Aktion „Eine Dosis Zukunft“ sind dank des großen Engagements der Apotheken in Westfalen-Lippe und ihrer Patientinnen und Patienten insgesamt 30.173,10 Euro zusammengekommen. Das Herzstück der Initiative bleiben die Spendensammlungen in den Apotheken: In rund 400 westfälisch-lippischen Apotheken informieren Flyer über das Projekt und Spendenboxen laden dazu ein, direkt vor Ort zu helfen. „Jeder Euro trägt dazu bei, Leben zu retten und Perspektiven zu schaffen“, betont von Elsenau Overwiening.

Mitmachen und helfen

Spenden für das Projekt sind weiterhin möglich:
Online unter www.eine-dosis-zukunft.de oder direkt auf das Spendenkonto bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank, IBAN: DE04 3006 0601 0901 1190 28, BIC: DAAEDEDDXXX, Stichwort: Dosis Zukunft.

Über „Eine Dosis Zukunft“

Seit 2009 unterstützt das Projekt Kinder und Familien in Indien. Nach über 200.000 finanzierten Impfungen liegt der Fokus nun auf basismedizinischer Versorgung und Kinderschutz im Sundarban-Delta. Partner vor Ort sind die Kindernothilfe, die indische NGO ASHA und die German Doctors.

Dr. Andreas Walter übergibt den Staffelstab an Michael Schmitz

Bei der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) fand heute der planmäßige Führungswechsel im Hauptamt statt. Dr. Andreas Walter (66) übergab nach mehr als 17-jähriger Tätigkeit als Hauptgeschäftsführer symbolisch den Staffelstab an seinen Nachfolger Michael Schmitz (57). Mit dem Stabwechsel endet eine prägende Amtszeit und beginnt zugleich ein neues Kapitel für die Kammer.

Dr. Andreas Walter war über viele Jahre hinweg maßgeblich an der systematischen Weiterentwicklung der AKWL beteiligt. In seine Amtszeit fallen unter anderem wichtige organisatorische Modernisierungen, die Stärkung der Serviceangebote für die Mitglieder sowie die konsequente Ausrichtung der Kammer auf die Herausforderungen eines sich wandelnden Gesundheitswesens. „Die Zusammenarbeit mit unseren ehrenamtlichen Gremien, den Mitarbeitenden und unseren Mitgliedern war für mich stets von großem Vertrauen und Engagement geprägt. Dafür danke ich allen Beteiligten herzlich“, so Dr. Walter anlässlich der Übergabe, auf die am 30. Januar noch eine feierliche Verabschiedung folgen wird.

Nachfolger Michael Schmitz bringt umfassende Erfahrung in der Verbands- und Organisationsarbeit mit und ist mit den Strukturen der AKWL bestens vertraut. Schmitz hat das öffentliche und gesundheitspolitische Profil der AKWL in mehr als 20 Jahren erheblich geschärft und ist bekannt für eine schnelle, direkte und offene Kommunikation und Arbeitsweise. Er kündigte an, die erfolgreiche Arbeit seines Vorgängers fortzuführen und zugleich neue Impulse zu setzen: „Die Apothekerkammer steht vor wichtigen Zukunftsthemen – von der Digitalisierung über die Sicherstellung der flächendeckenden Arzneimittelversorgung in Zeiten einer akuten Unterfinanzierung bis hin zur Gewinnung und Sicherung des Fachpersonals. Ich freue mich darauf, diese Aufgaben gemeinsam mit den Gremien und dem hochmotivierten und hochqualifizierten Team der Geschäftsstelle anzugehen.“

Dem Führungskreis gehören an: Friedrich Averbeck (Personal und Finanzen), Ute Behle (Pharmazeutische Qualität), Sören Cromberg (Recht und Auftragsverwaltung), Stefan Lammers (IT und Mitgliederverwaltung), Dr. Sylvia Prinz (Pharmazeutische Qualifizierung) sowie Yvonne Schmees (Stabsstellenleiterin Projekte). Als Stabsstellenleiter Presse und Öffentlichkeitsarbeit fungiert Pressesprecher Sebastian Sokolowski.

Zur Person:

Dr. Andreas Walter (66 Jahre) war von August 1999 an für die Apothekerkammer Westfalen-Lippe tätig, anfangs als Geschäftsführer Pharmazie. Nach dem Pharmaziestudium und der Approbation im Januar 1993 war der gebürtige Dortmunder zunächst als Offizin- und Krankenhausapotheker in seiner Heimatstadt tätig, ehe er im Oktober 1995 zur AOK Niedersachsen wechselte. Hier leitete er die pharmazeutische Beratungsstelle in Oldenburg. Zeitgleich erfolgte im Juni 1999 die Promotion. 2002 absolvierte er die Weiterbildung zum Fachapotheker für Öffentliches Gesundheitswesen. Von 2009 fungierte er als Hauptgeschäftsführer der AKWL. Der passionierte Tennisspieler ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Söhnen.

Michael Schmitz (57 Jahre) ist seit Mai 2002 bei der AKWL beschäftigt, seit 2009 als Geschäftsführer Kommunikation, IT und Neue Medien. Nach dem Studium der Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Philosophie (Examen im Mai 1993) war er fünf Jahre als Zeitungsredakteur und vier Jahre als Pressesprecher und Marketingleiter in der Telekommunikationsbranche tätig – zuletzt als Bereichsleiter Öffentlichkeitsarbeit der Tropolys GmbH (Düsseldorf), die heute als 1&1 AG firmiert. Der gebürtige Münsteraner, leidenschaftlicher Tischtennisspieler und seit fast 40 Jahren ehrenamtlich im organisierten Sport tätig, ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Töchtern.

Arzneimittelsicherheit in der Apotheke: Rote- und Blaue-Hand-Briefe

Diese Videolektion von Apotheker Kai Girwert, Isernhagen, zum Thema „Arzneimittelsicherheit in der Apotheke: Rote- und Blaue-Hand-Briefe“ dauert ca. 80 Minuten und steht Ihnen bis Januar 2027 zur Verfügung. PTA finden diese Video-Lektion an gewohnter Stelle im PTA-Campus.

Erklärung der Arbeitsgemeinschaft der Heilberufskammern in NRW zur gemeinsamen Verantwortung für nachhaltiges Handeln

Die Arbeitsgemeinschaft der Heilberufskammern im Land Nordrhein-Westfalen (ARGE) bekennt sich gemeinsam mit ihren Berufsangehörigen zu einer nachhaltigen, zukunftsorientierten Gesundheitsversorgung. Nachhaltigkeit ist für die Heilberufe ein wesentlicher Bestandteil berufsethischer Verantwortung und Voraussetzung für die langfristige Gesundheit der Bevölkerung.

Die Heilberufskammern erkennen an, dass ökologische, soziale und ökonomische Bedingungen unmittelbar Einfluss auf die Gesundheit von Mensch und Tier haben. Sie bekennen sich daher dazu,

  1. nachhaltige Strukturen und Prozesse im Gesundheitswesen zu fördern, einschließlich ressourcenschonender Praxisführung, klimafreundlicher Organisation und verantwortungsvoller Beschaffung,
  2. Fort- und Weiterbildung zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz auszubauen,
  3. die interprofessionelle Zusammenarbeit zu stärken, um nachhaltige Lösungen gemeinsam zu entwickeln,
  4. die eigenen Strukturen regelmäßig auf Nachhaltigkeit zu hinterfragen,
  5. den Dialog mit Politik und Öffentlichkeit zu suchen, um nachhaltige Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen zu unterstützen.

Die Arbeitsgemeinschaft ruft alle Angehörigen der Heilberufe auf, Nachhaltigkeit im beruflichen Alltag aktiv mitzugestalten. Gemeinsam übernehmen wir Heilberuflerinnen und Heilberufler Verantwortung für eine gesunde und lebenswerte Zukunft in NRW.

„Apotheken müssen auskömmlich finanziert werden“

Kurz vor Weihnachten sind in vielen Apotheken des Kreises Gütersloh die Lichter ausgegangen. Nicht etwa aufgrund eines Stromausfalls, sondern aus Protest. Mit diesem „Versorgungsblackout“ wollten die Apotheken auf ihre schwierige wirtschaftliche Situation aufmerksam machen. Die Aktion ist nur eine von vielen: So haben Apothekerinnen und Apotheker aus dem Kreis Gütersloh zudem den CDU-Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus mit einem Brandbrief über die sich weiter zuspitzende Lage informiert – und über ihren Unmut, dass auch die neue unionsgeführte Regierung noch immer nichts zur Konsolidierung der Arzneimittelversorgung unternommen hat. Deshalb hat sich Brinkhaus nun in der Gütersloher Linden-Apotheke über die Gründe für den Protest und die aktuellen Probleme informieren lassen.

Kreisvertrauensapothekerin Claudia Scherrer (Apothekerkammer) und Sven Buttler, Vorsitzender der Bezirksgruppe Gütersloh des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL), haben gemeinsam mit ihrer Kollegin Alexandra Lappe sowie Dr. Olaf Elsner (AVWL-Vorstandsmitglied) den CDU-Politiker über die Ausmaße des anhaltenden Apothekensterbens informiert. So gibt es im Kreis Gütersloh aktuell noch 63 Apotheken. Zehn Jahre zuvor waren es 79. Das bedeutet einen Rückgang von 20 Prozent. Für die Patientinnen und Patienten bedeutet dieser Rückgang weitere Wege bis zur nächsten Apotheke – sowohl im Alltag, aber insbesondere auch bei Notfällen in der Nacht und am Wochenende.

Auf unbestimmte Zeit verschoben

Hauptursache der Schließungen ist die chronische Unterfinanzierung der Apotheken. Deren Honorierung ist staatlich geregelt. Diese Vergütung ist in den vergangenen 20 Jahren von der Politik nur ein einziges Mal um wenige Cent erhöht worden. Das war im Jahr 2013. Seitdem jedoch sind die Betriebsausgaben für Personal und Sachkosten um 65 Prozent gestiegen. Infolgedessen sind zehn Prozent der Apotheken bundesweit defizitär. Ein Viertel ist wirtschaftlich stark gefährdet.

Zwar haben Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag versprochen, das Apothekenhonorar zu erhöhen. Doch diese Anpassung der Vergütung ist nun auf unbestimmte Zeit verschoben. Ab 2027 sollen die Apotheken dann mit den Krankenkassen über ihr Honorar verhandeln. Das begrüßen die Apothekerinnen und Apotheker grundsätzlich. Die Lösung, die die Bundesregierung in ihrem Gesetzentwurf für eine Apothekenreform vorgeschlagen hat, halten sie jedoch nicht für geeignet, die Situation der Apotheken zu verbessern. Unterdessen sterben Hunderte weiterer Apotheken, warnen die vier Pharmazeutinnen und Pharmazeuten den CDU-Politiker und weisen darauf hin, welche Folgen dies für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger hat. Brinkhaus stimmt zu: „Die flächendeckende Notdienstversorgung durch die Apotheken vor Ort muss durch eine auskömmliche Fi-nanzierung gewährleistet werden.“

Aber auch in Bezug auf die Versorgungssicherheit in Krisen- und Katastrophenfällen sieht der Bundestagsabgeordnete die Notwendigkeit, dass das flächendeckende Apothekennetz systemrelevant ist und die Apotheken verstärkt in den Katastrophenschutz einbezogen werden. Dafür will er nun auf Kreisebene Brücken bauen.

Die Apothekerinnen und Apotheker informieren den CDU-Politiker auch über einige weitere Konstruktionsfehler, die die geplante Apothekenreform aufweist. Dadurch drohten die Apotheken vor Ort weiter geschwächt und die Versorgung der Patienten verschlechtert zu werden. Hauptkritikpunkt der Pharmazeutinnen und Pharmazeuten: Der Entwurf ebne den Weg dafür, die Präsenzpflicht der Apotheker abzuschaffen. Apotheken ohne Apotheker könnten aber viele Leistungen nicht erbringen, wie zum Beispiel Impfungen, die Abgabe von starken Schmerzmitteln, die Beantwortung komplexer pharmazeutischer Fragen und die Abgabe von individuell hergestellten Arzneimitteln.

Brinkhaus signalisiert Verständnis für die Sorgen und Bedenken der Apothekerinnen und Apotheker und gibt ihnen zum Abschluss des Gesprächs mit auf den Weg, ihre Themen und Anliegen noch viel klarer und geschlossener in die Öffentlichkeit zu tragen.

Glück ist keine Glückssache

Unter dem Motto „Glück ist keine Glückssache“ lädt die Apothekerkammer Westfalen-Lippe am Dienstag, 10. Februar 2026, zur Jahresauftaktveranstaltung ein. Die Veranstaltung findet in der „Cloud“ des Factory Hotels am Germania Campus statt und beginnt um 19:30 Uhr (Einlass ab 18:45 Uhr). Die Veranstaltung endet gegen 21:00 Uhr.

Im Mittelpunkt des Abends steht ein Impulsvortrag der Münsteraner Wirtschafts- und Organisationspsychologin Lioba Werth. Unter dem Titel „Glück ist keine Glückssache“ zeigt die Professorin auf, warum Lebenszufriedenheit weniger von äußeren Umständen abhängt als von der eigenen inneren Haltung. Glück, so ihr Credo, sei kein Dauerzustand, sondern das Ergebnis bewusster Denk- und Verhaltensweisen.

In ihrem Vortrag vermittelt Werth psychologisches Know-how und alltagstaugliche Strategien, mit denen sich Glück gezielt kultivieren lässt – ohne Lottogewinn, dafür mit Mut, Selbstreflexion und Freude am Leben.

Der Jahresauftakt der AKWL richtet sich an Kammerangehörige und Gäste und bildet den feierlichen Start in das Kammerjahr 2026. Eine Anmeldung ist über den Veranstaltungskalender der Kammer unter www.akwl.de erforderlich. Die Teilnahme ist, einschließlich eines Begrüßungsgetränkes nach Wahl, kostenlos. Weil aber „No Shows“ die Veranstaltungsplanung erschweren, erhebt die Kammer im Falle der Nichtteilnahme trotz Anmeldung eine „No-Show-Gebühr“ in Höhe von 15 Euro.

Minus 28 Prozent in 20 Jahren

Der Trend kennt nur eine Richtung. Nämlich abwärts. „43 Apotheken haben im Jahr 2025 ihre Pforten geschlossen“, bilanziert AKWL-Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Walter zum Jahreswechsel die Apothekenstatistik der Kammer. 49 Schließungen stehen nur sechs Neueröffnungen gegenüber. Vor 20 Jahren, also zu Beginn des Jahres 2006 versorgten in Westfalen-Lippe noch 2.245 Apotheken die Bürgerinnen und Bürger mit Arzneimitteln. Zum 1. Januar 2026 sind es noch 1.613 Apotheken. „Das ist ein Rückgang von 28 Prozent und ein bitteres Warnzeichen an die Politik: Die Regierung muss die versprochene Stärkung der Vor-Ort-Apotheken möglichst schnell umsetzen. Anderenfalls gefährdet sie die flächendeckende Versorgung.“

Dass die Politik maßgeblich die Ursache für die Schließungen trägt, zeigt auch der Zeitpunkt, wann sie gemeldet wurden. „Zehn der 49 Apotheken, die heute nicht mehr am Netz sind, wurden uns direkt in den Tagen nach dem Deutschen Apothekertag gemeldet. In diesem Rahmen hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verkündet, die im Koalitionsvertrag versprochene Honorarsteigerung nicht umzusetzen, sondern auf Wiedervorlage zu setzen.“ Das habe bei vielen Inhabern die Hoffnung auf eine Verbesserung der Lage ersticken lassen. „Da wurden viele Reißleinen gezogen.“

Unter den Kreisen und kreisfreien Städten ist die Stadt Dortmund trauriger Spitzenreiter mit fünf Schließungen (bei einer Neueröffnung). Die Kreise Borken, Recklinghausen und Siegen haben jeweils vier Apotheken verloren – ebenso wie der Kreis Soest, wobei letzterer immerhin drei Eröffnungen verzeichnete. Jeweils drei Apotheken schlossen in den Kreisen Höxter, Paderborn und Lippe ihre Pforten.

„Die Politik muss handeln!“, stellt Walter klar. Erkannt habe sie die Notwendigkeit einer Apotheken-Stärkung nach 13 Jahren Honorar-Stillstand ohne Inflationsausgleich. Das zeige auch der Koalitionsvertrag. Walter fordert: „Nun muss das Versprechen auch gehalten werden.“

SMART Pharmacist Program

Wir laden Sie hiermit herzlich ein zur Teilnahme am „SMART-Pharmacist-Program“, das Sie gezielt in Ihrem Apothekenalltag unterstützt. Das Programm vereint alle Elemente der selbstgesteuerten, kontinuierlichen beruflichen Entwicklung (CPD), die über die Fortbildung hinausgeht und bietet Ihnen am Beispiel der pDL „Inhalativa“ eine strukturierte, kompetenzorientierte Schulung mit klarem Praxisbezug. So stärken Sie nicht nur Ihre fachlichen Kompetenzen, sondern verbessern auch die Qualität Ihrer Dienstleistungen, fördern positive Veränderungen im Patientenverhalten und leisten einen spürbaren Beitrag zu mehr Lebensqualität für Ihre Patientinnen und Patienten.

Werden auch Sie Teil des „SMART-Pharmacist-Program“!

Inhaltliche Informationen finden Sie in unserem Veranstaltungskalender.

Medikamente an Weihnachten und Neujahr: So hilft der Apotheken-Notdienst

Ob Heiligabend, während der Weihnachtsfeiertage oder am Neujahrsmorgen: Wer an den Feiertagen dringend Arzneimittel benötigt, findet Hilfe in einer Notdienstapotheke – auch in Westfalen-Lippe. „Die Dienstbereitschaft dauert grundsätzlich 24 Stunden – immer von 9:00 Uhr morgens bis um 9:00 Uhr am Folgetag“, erklärt Apothekerin Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Bundesweit nutzen jede Nacht fast 20.000 Patientinnen und Patienten den Apotheken-Notdienst. Dank dieser Versorgung ist auch an den Feiertagen schnelle Hilfe gewährleistet. Die nächstgelegene Notdienstapotheke lässt sich auf verschiedenen Wegen finden:

Online: über den Notdienst-Finder unter www.aponet.de
Telefonisch: unter Rufnummer 0800 00 22 8 33 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz)
Mobil: Aus dem deutschen Mobilfunknetz die 22 8 33 anrufen, die Ansage des Notdienstes auswählen, Postleitzahl angeben und sich die nächstgelegenen Apotheken ansagen lassen (69 Cent/Minute). Alternativ: SMS mit Postleitzahl an 22833 (69 Cent/SMS).
In der Zeitung: Viele regionale Tageszeitungen berichten außerdem im Lokal- oder Serviceteil über den Apothekennotdienst vor Ort.
Apotheke: „Wer gerade unterwegs ist, kann auch einfach an einer beliebigen Apotheke anhalten“, so von Elsenau Overwiening. „Denn jede Apotheke weist per Aushang auf die nächstgelegenen Notdienstapotheken hin – und zwar vom jeweiligen Standort aus betrachtet.“

Auf die Feiertage vorbereitet sein: Hausapotheke checken

Da in diesem Jahr direkt nach den Feiertagen ein Wochenende liegt, sollten sich insbesondere Menschen mit Dauermedikation entsprechend vorbereiten und frühzeitig Folgerezepte in der Arztpraxis anfordern und einlösen, empfiehlt die Apothekerin. „Außerdem sollte man Schmerzmittel, Verbandsmaterial und Präparate gegen akute Beschwerden wie Durchfall dahaben. Und für Familien mit Kindern gehört eine Flasche Fiebersaft ebenfalls zur Grundausstattung der Hausapotheke dazu“, sagt von Elsenau Overwiening.

Lieferengpässe bleiben Herausforderung, geplante Reform bedroht Versorgungsstruktur

Ein Problem, das auch in diesem Winter weiterhin die Arbeit der Apothekenteams erschwert, sind die anhaltenden Lieferengpässe. Diese betreffen verschiedene Arzneimittel. „Auch im Notdienst werden die Apotheker*innen alles tun, was sie können, um für jeden Patienten und jede Patientin die passende Lösung zu finden. Bitte haben Sie Verständnis, wenn das gegebenenfalls mal etwas länger dauert“, bittet von Elsenau Overwiening.

„Mit jeder Apotheke, die schließt, geht ein Stück Versorgungsstruktur verloren“

Gleichzeitig wird das Apotheken-Netz dünner: In ganz Deutschland schließen immer mehr Apotheken. „Die Zahl der Apotheken nimmt überall weiter ab, auch bei uns in der Region“, so von Elsenau Overwiening. In Deutschland hat die Zahl der Apotheken mit 16.732 nun sogar den niedrigsten Wert seit 1977 erreicht. Die Gründe sind meist wirtschaftlicher Natur: „Seit 2013 gab es keine Honoraranpassung für die Apotheken vor Ort, während die Kosten in allen Bereichen gestiegen sind. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Nicht einmal an die Inflation wurde das Packungshonorar angepasst “, fasst von Elsenau Overwiening die Lage zusammen und betont: „Deshalb muss die Politik jetzt rasch handeln und die Apotheken vor Ort wirtschaftlich stärken. Die Menschen benötigen im Krankheitsfall eine Apotheke vor Ort, idealerweise ‚in Pantoffelnähe‘. Und mit jeder Schließung wird für Patientinnen und Patienten die Entfernung zur nächsten Apotheke größer – auch im Nacht- und Notdienst.“

Gemeinsames Statement von AKWL und AVWL zum Gesetzentwurf für geplante Apothekenreform

Das Bundeskabinett hat heute den Gesetzentwurf für eine Apothekenreform vorgelegt. Apothekerkammer und Apothekerverband Westfalen-Lippe warnen jedoch davor, dass diese Pläne das anhaltende Apothekensterben nicht stoppen werden.

Erst Weihnachten, dann Wochenende: Die Auszeit zum Jahresende ist in diesem Jahr besonders lang – zu lang für fiebernde Kinder und akut erkrankte Erwachsene. „In solchen Notfällen stehen die Apotheken und deren Notdienste in Westfalen-Lippe bereit, um den Menschen zu helfen und sie schnell zu versorgen“, so Frank Dieckerhoff, Vizepräsident der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL). Dann aber fügt er hinzu: „Noch!“ Denn das Bundeskabinett habe nun einen Reformentwurf verabschiedet, der das bewährte flächendeckende Apothekensystem nicht retten könne.

Denn der Reformentwurf sehe keine wirtschaftliche Stabilisierung der Apotheken vor, obgleich diese dringend benötigt werde und auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD so vereinbart worden sei, so Dieckerhoff. „Die Vergütung der Apotheken ist weitgehend staatlich geregelt. Seit nunmehr 13 Jahren ist diese Honorierung von der Politik nicht mehr erhöht worden, trotz massiv gestiegener Kosten.“

Mittlerweile seien zehn Prozent der Apotheken defizitär, ein Viertel sei wirtschaftlich stark gefährdet, ergänzt Thomas Rochell, Vorstandsvorsitzender des Apothekerverbandes Westfalen-Lippe (AVWL) „Während die Honorare anderer Akteure im Gesundheitswesen regelmäßig erhöht wer-den, hält die Politik die Apotheken seit Jahren mit dem Verweis auf die Finanzlage der Krankenkassen hin.“ Weder sei in dem Reformentwurf eine Honorarerhöhung vorgesehen, noch eine zielführende Lösung für eine Dynamisierung des Honorars – wie sie bei den Ärzten zum Beispiel zu recht üblich sei. In der Gastronomie werde die Mehrwertsteuer gesenkt, die Pendlerpauschale werde erhöht und selbst für Parteispenden gebe es höhere Steuervergünstigungen. „Das alles mag seine Berechtigung haben. Aber die lebenswichtige Arzneimittelversorgung der Menschen hat diese erst recht.“

Warnung vor Leistungskürzungen

Es sind viele weitere Kritikpunkte, die Dieckerhoff und Rochell an der Reform haben, von der Einführung willkürlicher Öffnungszeiten über eine mögliche Aufweichung der Präsenzpflicht für den Apotheker bis hin zu Einschränkungen bei der Ausstattung. Dies alles werde dazu führen, dass Leistungen für die Patienten eingeschränkt werden. Beide warnen auch davor, dass die Bundesregierung keine Maßnahmen vorsehe, die Arzneimittelpreisbindung abzusichern. Diese Preisbindung diene dem Verbraucherschutz, denn es dürfe nicht sein, dass kranke Menschen im Notfall übervorteilt und ihre Notlage ausgenutzt würde.
Zwar enthalte der Entwurf auch positive Ansätze: So sollten Apotheken verstärkt in die Erstversorgung der Patienten einbezogen werden. Um die flächendeckende Gesundheitsversorgung in Zeiten des demografischen Wandels zu sichern, sei dies absolut sinnvoll. Aber wenn die Apotheken kaputt reformiert würden, könnten sie diese Leistungen nicht erbringen.

„Wir werden in den kommenden Wochen und Monaten dafür kämpfen, dass dieser Entwurf massiv nachgebessert wird. Vor allem aber werden wir für eine nachhaltige wirtschaftliche Stabilisierung der Vor-Ort-Apotheken kämpfen“, erklären Dieckerhoff und Rochell. Sie bitten die Bürgerinnen und Bürger um Verständnis für Protestaktionen und fordern sie zugleich auf: „Unterstützen Sie uns in unserem Kampf für Ihre wohnortnahe, sichere und hochqualitative pharmazeutische Versorgung. Damit wir auch in den nächsten Jahren an Weihnachten und den übrigen 362 Tagen im Jahr für Sie da sein können.“

Rückfragen und Kontakt:

  • presse@avwl.de, Tel.: 0251/53938-34
  • presse@akwl.de; Tel.: 0251/52005-82

1000. Fachsprachenprüfung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) hat einen besonderen Meilenstein erreicht: Am Freitag, 12. Dezember 2025, wurde die 1000. Fachsprachenprüfung für Apothekerinnen und Apotheker abgenommen. Erfolgreiche Absolventin der Jubiläumsprüfung ist Maryna Postupalska aus der Ukraine.

Seit 2016 nimmt die AKWL die Fachsprachenprüfung im Auftrag des Ministeriums ab. Sie ist ein zentraler Schritt auf dem Weg zur deutschen Approbation für Apothekerinnen und Apotheker aus EU- und Nicht-EU-Ländern. Erst mit diesem Nachweis können internationale Fachkräfte in Deutschland im Apothekerberuf arbeiten. Die Zahl der Prüfungen ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: Während 2016 nur 15 Prüfungen stattfanden, werden es 2025 voraussichtlich rund 220 sein.

Ein persönlicher Erfolg mit besonderer Geschichte

Maryna Postupalska hat Pharmazie in Kiew studiert. Vor drei Jahren kam sie gemeinsam mit ihrem damals sechsjährigen Sohn Ihor nach Deutschland. Hier baute sie sich ein neues Leben auf, arbeitete zunächst als Hilfskraft in einer Apotheke in Rheda-Wiedenbrück und heute in der Rosen Apotheke in Gütersloh. Dort fand sie eine Vorgesetzte und ein Team, das sie intensiv unterstützte – sowohl im Arbeitsalltag als auch in der Vorbereitung auf die anspruchsvolle Prüfung. „Die Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen haben mir am Ende mehr geholfen als jeder Kurs es je könnte“, so Postupalska.
Neben ihrem Teilzeitjob besuchte sie einen Sprachkurs und kümmerte sich um ihren Sohn, der am Tag ihrer Fachsprachenprüfung selbst einen Mathetest schrieb. Auch seine Ermutigung unterstützte sie: „Er hat immer gesagt: ‚Mama, du schaffst das!‘“ Nun feiert sie ihren Erfolg gemeinsam mit ihm und den Kolleginnen und Kollegen aus der Apotheke. Als nächstes stehen für Postupalska die Tätigkeit als „Apothekerin unter Aufsicht“ und anschließend die Kenntnisprüfung an, der letzte große Schritt auf dem Weg zur deutschen Approbation, bevor sie langfristig in Deutschland arbeiten und leben kann.

Warum die Fachsprachenprüfung so wichtig ist

Die Fachsprachenprüfung stellt sicher, dass Apothekerinnen und Apotheker aus dem Ausland die sprachlichen Anforderungen im Berufsalltag sicher beherrschen. Sie basiert auf dem Sprachniveau C1 und prüft vor allem die mündliche Kommunikation, aber auch die schriftliche Kompetenz. Von der Beratung im Kundengespräch bis zum fachlichen Austausch unter Kolleginnen und Kollegen. Anhand eines simulierten Apotheker-Patienten-Gesprächs, der Anfertigung eines pharmazeutischen Schriftstücks und eines Fachgesprächs unter Apothekerinnen und Apothekern müssen die Prüfungs-Kandidaten zeigen, dass sie sowohl allgemeine als auch fachsprachliche Inhalte sicher verstehen und vermitteln können. Abgenommen wird die Prüfung von einer dreiköpfigen Kommission. Aktuell stehen der AKWL dafür 13 berufene Prüferinnen und Prüfer zur Verfügung. „Wir stellen die Prüfungstermine möglichst zeitnah zur Verfügung, Zusatztermine auch mal auf Zuruf. Schließlich geht es hier nicht um einen einfachen Verwaltungsakt, sondern um einen wichtigen Schritt für die berufliche Zukunft der Kolleginnen und Kollegen“, betont Dr. Sylvia Prinz, zuständige Bereichsleiterin bei der AKWL.

Ein unverzichtbarer Baustein für die Versorgung

Ausländische Apothekerinnen und Apotheker leisten einen wichtigen Beitrag zur Sicherstellung der Arzneimittelversorgung der Menschen in Westfalen-Lippe. Mit der 1000. abgelegten Fachsprachenprüfung setzt die Apothekerkammer ein Zeichen für Integration und verlässliche Perspektiven für internationale Fachkräfte.

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt

In der Adventszeit starten die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) und der Apothekerverband Westfalen-Lippe (AVWL) eine aufmerksamkeitsstarke Plakatkampagne in den Apotheken im Landesteil Westfalen-Lippe. Hintergrund ist der aktuelle Referentenentwurf zur Apothekenreform, der am 17. Dezember im Bundeskabinett beraten werden soll. Beide Standesorganisationen sehen darin erhebliche Risiken für den Fortbestand der flächendeckenden Arzneimittelversorgung

„Wir hätten darauf verzichtet, wenn die politische Lage es zugelassen hätte“, betonen Kammerpräsidentin Gabriele von Elsenau Overwiening und der Verbandsvorsitzende Thomas Rochell. „Doch die Patientinnen und Patienten müssen verstehen, dass es jetzt um nicht weniger geht als um die Zukunft der öffentlichen Apotheke vor Ort – rund um die Uhr, zuverlässig, persönlich und kompetent.“

Die Apotheken in Westfalen-Lippe werden daher in dieser Woche mit zwei emotional gestalteten Plakatmotiven ausgestattet und gebeten, diese ab sofort gut sichtbar in Schaufenstern oder Innenräumen zu platzieren. Digitale Dateien für Bildschirme sowie Sharepics für Social Media stehen ebenfalls zur Verfügung. Ziel der Kampagne ist es, öffentlich auf die drohenden Konsequenzen der geplanten Reform aufmerksam zu machen und den politischen Druck zu erhöhen.

Kritikpunkte am Referentenentwurf

Nach aktuellem Stand rechnen Kammer und Verband am 17. Dezember nicht mit einem politischen „Weihnachtsgeschenk“ – im Gegenteil. Besonders kritisch bewertet werden:

  • keine Honorarerhöhung – trotz 13 Jahren Stillstand und klarer Zusage im Koalitionsvertrag,
  • PTA-Vertretung als Ersatz für Apotheker*innen – ein Modell, das aus Sicht der Berufsorganisationen das System der inhabergeführten Apotheke gefährdet; die Rolle der PTA müsse gestärkt werden, jedoch auf anderen Wegen,
  • keine sichere Basis für zukünftige Honoraranpassungen, da diese unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden,
  • weitere Maßnahmen, die eine „Verzwergung“ der Apothekenstruktur begünstigen, etwa Filialen ohne Labor oder Zweigapotheken mit nur wenigen Öffnungsstunden täglich.

„Der Weg zur Arzneimittelecke im Drogeriemarkt wäre damit nicht mehr weit“, warnen AKWL und AVWL. Sollte die Politik zentrale Forderungen des Berufsstandes kurzfristig erfüllen, würden die Apotheken selbstverständlich gebeten, die Plakate abzunehmen. „Nichts würden wir lieber tun – denn es wäre das Zeichen, dass die Arbeit, die die Teams in den öffentlichen Apotheken Tag für Tag leisten, von der Politik wertgeschätzt würde.“

Kampagne als Auftakt weiterer Maßnahmen

Die Plakataktion versteht sich als Startsignal, nicht als Abschluss. „Zwei Plakate werden die Apothekenwelt nicht retten“, betonen von Elsenau Overwiening und Rochell unisono. Es gehe vielmehr darum, das gesellschaftliche Bewusstsein und die Stimmung im laufenden Gesetzgebungsprozess zu beeinflussen. Parallel sind bundesweite Aktivitäten angekündigt. „Wir sehen unsere Plakate als Ergänzung und regionale Verlängerung der bundesweiten Aktivitäten der ABDA“, so Kammer und Verband. Sollte es keine Nachbesserungen am Reformentwurf geben, werden weitere Maßnahmen folgen.

Bericht der Präsidentin, Gabriele Regina Overwiening

Zugriff verweigert.

„Starker Koalitionsvortrag, schwache Eckpunkte, unsäglicher Referentenentwurf“

Selten war die Stimmung im Berufsstand so angespannt, selten die gemeinsame Einschätzung der Bundespolitik so klar: „Mit dem Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sind viele Erwartungen auf eine baldige Apothekenstärkung geweckt worden“, so Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL). „Auf einen sehr guten Koalitionsvertrag folgte im September beim Deutschen Apothekertag die Ankündigung von sehr schwachen Eckpunkten einer Apothekenreform durch Gesundheitsministerin Warken. Und der sechs Wochen später folgende Referentenentwurf ist einfach nur unsäglich“, konstatierte die Kammerpräsidentin auf der Herbstsitzung der AKWL-Kammerversammlung.

In ihrem Bericht zerpflückte von Elsenau Overwiening die problematischsten Punkte des geplanten Reformgesetzes: „Wir akzeptieren nicht, dass CDU, CSU und SPD die Erhöhung des Apotheken-Honorars auf den Sankt Nimmerleinstag verschieben.“ Der Koalitionsvertrag habe eine Erhöhung auf 9,50 Euro pro Packung versprochen. Doch „das Versprechen ist gebrochen, und das werden wir nicht akzeptieren!“

Alle fünf Jahre verschwinden 200 Apotheken von der Bildfläche

Das Ergebnis ausgebliebener Dynamisierung des Honorars ist in der Entwicklung der Apothekenzahlen klar abzulesen: Sie ist und bleibt dramatisch, wie von Elsenau Overwiening in ihrem Lagebericht aufzeigte. Viele Jahre habe die Zahl der Apotheken im Landesteil konstant zwischen 2.250 und 2.260 gelegen. Nach dem Jahr 2005, in dem die letzte Honoraranpassung erfolgte, habe der Sinkflug eingesetzt. Allein in den Fünfjahreszeiträumen zwischen 2010 und 2015, von 2015 und 2020 sowie zwischen 2020 und 2025 seien jeweils 200 Apotheken von der Bildfläche verschwunden.

Aktuell gibt es nur noch 1.628 Betriebsstätten, von denen 441 als Filialen geführt werden – das sind so wenige Apotheken wie zuletzt in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. „Bis zum Jahresende werden mindestens 16 weitere Apotheken schließen. Weitere zwölf Schließungen sind bereits jetzt für das erste Quartal 2026 gemeldet“, sagte die Präsidentin. Damit sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Gesamtzahl der Apotheken in Westfalen-Lippe unter 1.600 absinkt. In Westfalen-Lippe versorgt eine Apotheke heute durchschnittlich 5.100 Patientinnen und Patienten. Vor 20 Jahren waren es noch knapp 3.500.

Keine Apotheke ohne Apotheker

Unmissverständlich positionierte sich von Elsenau Overwiening zu Vertretungsbefugnis von PTA in Apotheken: „Nur die ständige Anwesenheit eines Apothekers in einer Apotheke gewährleistet die ohne jede Ausnahme sichere Abgabe von Medikamenten, besonders bei komplexen Arzneimitteltherapien oder für vulnerable Gruppen. Das geplante Modell stellt das gesamte Berufsbild des Apothekers in der öffentlichen Apotheke infrage und entwertet dessen Rolle in der Arzneimittelversorgung.“ Das Berufsbild der PTA könne auf anderem Wege weiterentwickelt werden: „ohne Systembruch und ohne Systemzerstörung.“

Haushaltsplan 2026 verabschiedet

Einstimmig verabschiedeten die Delegierten den Haushaltsplan für das Jahr 2026. Er sieht ein um 4,55 Prozent (424.000 Euro) gegenüber dem Vorjahr gewachsenes Haushaltsvolumen von 9,742 Millionen Euro vor. „Rechnet man zwei Sonderprojekte heraus – unsere Beteiligung an der Sanierung des Zentrallaboratoriums in Eschborn in Höhe von 362.000 Euro und weitere 100.000 für das von der Bundesapothekerkammer umzusetzende OZG-Portal – wäre das Haushaltsvolumen im kommenden Jahr sogar leicht rückläufig“, stellt Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Walter heraus. Für die Apothekeninhaber*innen ergibt sich im kommenden Jahr eine Entlastung: Durch Inanspruchnahme der Rücklage zur Förderung der Ausbildung kann die AKWL 2026 auf Zusatzbeiträge für die PTA-Ausbildung verzichten – eine Entlastung der Apothekeninhaber*innen von fast 600.000 Euro.

Neuausrichtung der Apothekenaufsicht

Mit Spannung erwarteten die Delegierten das Gastreferat von Ministerialrat Dominique-André Busch aus dem Landesgesundheitsministerium zur „Weiterentwicklung der Apothekenüberwachung in NRW“. Und sie wurden nicht enttäuscht: Busch kündigte die Reform der Apothekenaufsicht in NRW an. Die Apotheken-Aufsicht haben in NRW die Kreise und kreisfreien Städte, konkret in Person von derzeit 90 Amtsapotheker*innen. Da der Bund das Arzneimittelrecht vorgibt, bleibt den Ländern nur der Vollzug. Wegen Uneinheitlichkeiten und Bürokratie soll die Überwachung nun modernisiert werden: ein zentrales Qualitätsmanagementsystem, aktualisierte Verwaltungsvorschriften und stärkere Einbindung der Apothekerkammern in Expertengruppen. Ziel sind einheitliche Standards, weniger bürokratische Belastung, praxisnahe Lösungen und ein Fokus auf das Wesentliche: Patientensicherheit. Gleichzeitig betonte Busch, dass unnötige Bürokratie abgebaut, aber notwendige Regeln weiterhin konsequent umgesetzt würden. Fest stehe für Busch: „Es kann nicht sein, dass die Apothekenüberwachung in der Eifel etwas ganz anderes entscheidet als in Ostwestfalen-Lippe.“ Busch erklärte auch, wie die neuen, einheitlichen Regeln definiert werden: „Im Rahmen eines QMS-Systems werden beide Apothekerkammern in NRW mit in die Erarbeitung der neuen Richtlinien eingebunden.“

AKWL tritt nicht aus der ABDA aus

Intensiv diskutiert wurde der Antrag des Delegierten Jörg Nolten (Gemeinschaftsliste): Er wollte erreichen, dass die AKWL über einen Vorratsbeschluss aus der ABDA zum 1. Januar 2028 austritt. Er begründet den geforderten Austritt aus der ABDA, die von allen Apothekerkammern und -verbänden der Republik getragen und finanziert wird, mit anhaltender Unzufriedenheit, fehlenden berufspolitischen Erfolgen und strukturellen Problemen in der Bundesvertretung. Nolten kritisierte personelle Umbrüche, interne Blockaden sowie unlösbare Rollenkonflikte zwischen Kammern und Verbänden. Er fordert eine Professionalisierung an der Spitze der ABDA, um die Handlungsfähigkeit zu stärken und eine effizientere Interessenvertretung des Berufsstandes zu gewährleisten.

Unisono stimmten die Delegierten den Argumenten des Antragsstellers in der Diskussion zu. Lediglich der Schlussfolgerung, nämlich dem Austritt aus der ABDA, widersprachen die Diskutanten mehrheitlich. Die Strukturen müsse man von innen heraus verändern: Dazu gehöre, sich im Dialog klar zu positionieren und Prozesse kritisch-konstruktiv zu begleiten. Jörg Nolten zog den Antrag letztlich zurück, stattdessen stimmten die Delegierten überein, dass die AKWL schnellstmöglich eine Arbeitsgruppe einrichten soll, um „Forderungen, Wünsche und Ideen zusammenzutragen, wie wir uns eine noch bessere ABDA in Zukunft vorstellen können“, so AKWL-Vizepräsident Frank Dieckerhoff.

Abschied zum Abschluss

Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Delegierten der Kammerversammlung Dr. Andreas Walter, für den es die letzte Kammerversammlung als Hauptgeschäftsführer war. Nach über 26 Jahren bei der AKWL geht er Ende Januar in den Ruhestand. „Es hat mich immer mit Stolz erfüllt, Hauptgeschäftsführer einer solchen Kammer sein zu dürfen“, sagte Walter in seiner Abschiedsrede. „Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen.“

STICHWORT: DIE APOTHEKERKAMMER

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe ist die berufliche Vertretung der 8.292 Apothekerinnen und Apotheker im Landesteil, davon stehen 5.618 aktiv im Berufsleben (zu über 80 Prozent in der öffentlichen Apotheke, aber auch in Krankenhausapotheken, Wirtschaft und Verwaltung). In Westfalen-Lippe gibt es aktuell 1.628 Apotheken, 441 davon werden als Filiale geführt. Von den 1.628 Betriebsstätten sind 894 Einzelapotheken, 293 Hauptapotheken und 441 Filialapotheken. Die westfälisch-lippischen Apotheken bieten derzeit 16.681 (Vorjahr: 16.632 wohnortnahe Arbeitsplätze.

STICHWORT: DIE KAMMERVERSAMMLUNG

Die Kammerversammlung ist das oberste Beschlussorgan der Apothekerkammer. Das Apothekerparlament wird im Fünf-Jahres-Rhythmus gewählt – zuletzt im Juni 2024. Das Apothekerparlament zählt 103 Delegierte und kommt zweimal jährlich zu Arbeitssitzungen zusammen.

White-Coat-Ceremony im Apothekerhaus

62 Pharmazie-Studierende der Universität Münster haben am Mittwoch im Apothekerhaus ihre White-Coat-Ceremony gefeiert. Mit der Übergabe der weißen Kittel mit Kammerlogo markiert die Apothekerkammer Westfalen-Lippe traditionell den erfolgreichen Abschluss des ersten Staatsexamens und den Übergang vom Grund- ins Hauptstudium der Pharmazie.

Sandra Potthast, Vorstandsmitglied der AKWL, brachte es in ihrer Ansprache auf den Punkt: „Wer es bis hier geschafft hat, gibt nicht mehr auf!“

Im Rahmen der Veranstaltung wurde die „PharMSchool“ der Universität Münster vorgestellt. Anschließend erwartete die Studierenden ein abwechslungsreiches Programm: Ein Vortrag von Dr. Andreas Eimer (Career Service Münster) widmete sich der Frage „Wie werde ich ein*e zufriedene*r Apotheker*in?“, während Wolfgang Erdmann in einer Führung Einblicke in den Apothekerberuf gab.

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Ausklang bei Essen und Getränken.

Apotheker Paul Frei im 88. Lebensjahr verstorben

Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe trauert um Apotheker Paul Frei, der am 3. November 2025 im 88. Lebensjahr verstorben ist.

Paul Frei hat über mehr als drei Jahrzehnte hinweg die berufliche Bildung im pharmazeutischen Bereich mitgestaltet. Seit 1976 war er Mitglied im Berufsbildungsausschuss, viele Jahre davon als stellvertretender Vorsitzender und anschließend als Vorsitzender. Von 1970 bis 2004 engagierte er sich zudem im Prüfungsausschuss Arnsberg/Industriegebiet und war dort maßgeblich an der Organisation und Durchführung der Abschlussprüfungen sowie an der Erstellung der Prüfungsaufgaben beteiligt.

Wesentliche Bedeutung hatte auch seine Arbeit in der Selbstverwaltung des Berufsstandes: Von 1977 bis 1981 sowie von 1989 bis 2005 gehörte Paul Frei der Kammerversammlung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe an. Darüber hinaus war er 35 Jahre lang als Fachkundelehrer am Robert-Schuman-Berufskolleg in Dortmund tätig und hat in dieser Zeit zahlreiche Auszubildende fachlich und menschlich geprägt.

Für sein herausragendes Engagement erhielt er am 22. November 2000 die Verdienstmedaille der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, die höchste Auszeichnung der AKWL.

Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, betont: „Paul Frei hat sich über Jahrzehnte mit großem Verantwortungsbewusstsein und hoher fachlicher Kompetenz für die Weiterentwicklung der beruflichen Bildung eingesetzt. Sein Beitrag hat die Qualität der Ausbildung nachhaltig geprägt. Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe verliert mit ihm einen hochgeschätzten Kollegen.“

Wir bekennen Farbe – Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen

Vom 25. November bis zum 10. Dezember machen die Orange Days weltweit auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam. Seit 1991 setzt die UN Women mit der Kampagne „Orange the World“ ein sichtbares Zeichen – die Farbe Orange steht dabei symbolisch für eine Zukunft ohne Gewalt.

2025 rückt UN Women Deutschland besonders alltägliche Formen von Gewalt in den Fokus – die Gewalt, die Frauen und Mädchen in der Öffentlichkeit erleben: auf der Straße, am Arbeitsplatz oder in der digitalen Welt.
Auch wir setzen ein Zeichen: Vor dem Apothekerhaus zeigen wir Flagge gegen Gewalt. Eine Orange und ein Informationsschreiben auf allen Schreibtischen in der Kammer und im Versorgungswerk sollen uns alle daran erinnern, hinzuschauen, nachzufragen, Hilfe anzubieten – oder sie selbst zu holen, wenn nötig.

Jede*r kann betroffen sein oder helfen. Betroffene finden Unterstützung beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 08000 116 016 oder online unter www.hilfetelefon.de.

Apotheken: wichtiger Teil der Daseinsvorsorge

Rund 160.000 Beschäftigte in knapp 17.000 öffentlichen Apotheken versorgen täglich etwa drei Millionen Menschen in Deutschland. Sie sind oft erste Anlaufstelle vor Ort für Patientinnen und Patienten in Gesundheitsfragen – auch in Westfalen-Lippe. „Wir geben nicht nur Medikamente ab, wir beraten unsere Patientinnen und Patienten persönlich, wir prüfen die Medikation und sorgen darüber hinaus mit vielen weiteren Leistungen für eine sichere Versorgung – jeden Tag“, sagt Apothekerin Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Doch das Netz der Apotheken vor Ort wird dünner: In ganz Deutschland schließen immer mehr Apotheken für immer. „Die Zahl der Apotheken nimmt überall weiter ab, auch bei uns in der Region“, so Overwiening. In Deutschland hat die Zahl der Apotheken mit 16.732 nun sogar den niedrigsten Wert seit 1977 erreicht. Die Gründe sind meist wirtschaftlicher Natur: „Seit 2013 gab es keine Honoraranpassung für die Apotheken vor Ort, während die Kosten in allen Bereichen gestiegen sind. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Nicht einmal an die Inflation wurde das Packungshonorar angepasst “, fasst die Apothekerin die Lage zusammen.

„Mit jeder Apotheke, die schließt, geht ein Stück Versorgungsstruktur verloren“

Eine Entwicklung, die Overwiening mit großer Sorge betrachtet, nicht zuletzt angesichts des demographischen Wandels und der Herausforderungen, die damit auf das deutsche Gesundheitssystem zukommen: „Apotheken sind fest im öffentlichen Leben verankert und wichtiger Teil der Daseinsvorsorge. Mit jeder Apotheke, die schließt, werden die Wege für Patientinnen und Patienten weiter. Gleichzeitig geht mit jeder Schließung ein Stück wichtige Versorgungsstruktur verloren.“ Das Leistungsspektrum der Apotheken vor Ort, so die Apothekerin, sei vielfältiger als so mancher wisse. Es unterliege oft dem Präventions-Paradox: „In Apotheken werden Probleme gelöst und Gefahren für die Patienten abgewendet, bevor sie eintreten.“ Ein kurzer Überblick:

Vor Ort für Patientinnen und Patienten da: Was Apotheken leisten

Die persönliche und individuelle Beratung in allen Fragen zur Arzneimitteleinnahme ist nach wie vor eine der zentralen Aufgaben der Apotheken vor Ort – ganz gleich ob die Medikamente verschreibungspflichtig sind, oder nicht. Apothekerinnen und Apotheker klären über die Risiken und Nebenwirkungen des Arzneimittels, die Dosierung und die richtige Einnahme auf. Außerdem wird geprüft, ob Wechselwirkungen mit anderen Präparaten drohen. „Die Apotheken-Teams sind die letzte Instanz, die einschreiten kann, falls mal ein Fehler passiert. Das kann eine falsche Dosierung auf dem Rezept sein oder ein Buchstabendreher beim Arzneimittel. In einer Branche, wo der Unterschied von Milligramm zu Gramm Leben oder Tod bedeuten kann, ist das überlebenswichtig für die Patienten“, sagt von Elsenau Overwiening.

Und wenn die Patient*innen nicht selbst in die Apotheke kommen können, werden die Arzneimittel auch bis an die Haustür gebracht, oft noch am selben Tag. Das sind pro Tag rund 300.000 Botendienste. Auch nachts und an Feiertagen stellen die Apotheker*innen die Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln plus Beratung sicher: Durchschnittlich leisten jede Nacht etwa 1.100 Apotheken in Deutschland den Notdienst und versorgen bis zu 20.000 Patient*innen mit dringend benötigten Arzneimitteln.

Nicht immer kann dabei ein Fertigarzneimittel zum Einsatz kommen – zum Beispiel bei Kindern. „Sie brauchen mitunter spezielle Dosierungen oder Darreichungsformen. Diese sogenannten Rezeptur-Arzneimittel stellen die Apotheken vor Ort in ihren Laboren individuell und passgenau her“, erklärt von Elsenau Overwiening.

Auch im Bereich Prävention bieten viele öffentliche Apotheken verschiedene Leistungen an: Die Teams informieren zu Basis- und Reiseimpfungen, führen Impfungen gegen Grippe und COVID-19 durch. Patient*innen, die unter Bluthochdruck leiden und deswegen mindestens einen Blutdrucksenker einnehmen, können ihren Blutdruck durch die Apotheke überwachen lassen. „Eine regelmäßige, sorgfältige Messung und Erfassung der Werte ist sehr wichtig, damit die Therapie gegen den Bluthochdruck positiv verläuft und ansonsten bei Bedarf angepasst werden kann“, erklärt Apothekerin von Elsenau Overwiening.

Zu den sogenannten neuen pharmazeutischen Dienstleistungen zählt auch die Medikationsberatung: „Viele Menschen nehmen dauerhaft fünf oder mehr Medikamente ein. Damit steigt ihr Risiko für arzneimittelbezogen Probleme stark an. Die Apotheke kann durch professionelle Beratung dazu beitragen, dass diese Polymedikation wirksam und sicher verläuft“, erläutert von Elsenau Overwiening.

Und was sagen die Patientinnen und Patienten? Für 96 Prozent aller Deutschen ist die Apotheke vor Ort entweder „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“. Das zeigt eine FORSA-Umfrage. Zwei Drittel (64 Prozent) aller Erwachsenen nutzen die Apotheke vor Ort mindestens einmal pro Monat. Und sie können sich für die Zukunft auch weitere Leistungen und Angebote in den Apotheken vor Ort vorstellen. Gabriele von Elsenau Overwiening: „Wir sind Heilberuflerinnen und Heilberufler aus Überzeugung und wollen auch künftig für unsere Patientinnen und Patienten da sein. Eine zukunftsfähige Rolle der Apotheken kann es indes nur geben, wenn die Strukturen gestärkt werden und dazu gehört auch eine entsprechend angepasste Honorierung. Deshalb muss die Politik jetzt rasch handeln und die Apotheken vor Ort wirtschaftlich stärken. Sonst müssen weitere Apotheken schließen und die Wege in der Versorgung werden länger – auch im Nacht- und Notdienst.“

Impulse von A wie Apothekenreform bis Z wie Zukunftspapier

Ein gemeinsamer Brunch, drei Kurzimpulse zu apothekenrelevanten Themen und kollegialer Austausch: Das war das Rezept für den runden Tisch für alle Kammermitglieder bis zum Alter von 40 Jahren, der am Sonntag in Münster stattfand. Mit 80 Teilnehmenden war die Veranstaltung restlos ausgebucht.

Den Auftakt der Veranstaltung gestaltete Heike Steen (Abteilung Pharmazeutische Praxis, AKWL) mit einem praxisnahen Beitrag zur patientenorientierten Umsetzung pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL) im Apothekenteam. Sie stellte zudem konkrete Hilfestellungen der AKWL vor, die die Implementierung der pDL erleichtern sollen.

Dr. Sylvia Prinz, Bereichsleiterin Pharmazie, gab anschließend einen Überblick über das Weiterbildungsangebot der Kammer. Sie verdeutlichte die Chancen, die in der Kompetenzerweiterung durch eine Qualifizierung, begleitend zur praktischen Berufstätigkeit, liegen: „Weiterbildung bedeutet eine fachliche und persönliche Entwicklung. Mit einer solchen fachlichen Spezialisierung können Sie schlussendlich auch mehr Verantwortung übernehmen.“

Im berufspolitischen Teil informierte Dr. Hannes Müller, Vorstandsmitglied der AKWL und der Bundesapothekerkammer, zum Zukunftspapier der ABDA und über den aktuellen Stand des geplanten Apothekenreformgesetzes. Das Apothekenreformgesetz ordnete Müller physikalisch ein: „Das Gesetz hat Licht und Schatten, wobei die Sonne leider enorm tief steht.“ Er appellierte an die Teilnehmenden, die laufenden politischen Prozesse aktiv zu begleiten und sich weiter klar zu positionieren: „Apotheken sind eine tragende Säule der wohnortnahen Versorgung – und diese Struktur braucht Apothekerinnen und Apotheker vor Ort. Das zeigen wir jeden Tag in den Apotheken und mit dieser Botschaft werden wir auch das Gesetzgebungsverfahren weiter begleiten.“

Dazu gaben Katharina Klaas und Dr. Steffen Schmidt, beide Mitglieder des Nachwuchsausschusses der AKWL, Einblicke in Möglichkeiten des berufspolitischen Engagements und ermutigten zur Mitgestaltung der pharmazeutischen Zukunft.

Reaktion auf den Kommentar vom 26.10.2025 in der FAS

Sehr geehrte Redaktion,

als Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe widerspreche ich der These „Keiner braucht die Apotheken“ entschieden. Sie unterschätzt, was wohnortnahe Apotheken jeden Tag für die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, die Therapietreue und die Versorgungssicherheit leisten – und zwar weit über das reine „Verkaufen von Tabletten“ hinaus. Dass der Autor dabei mit einem Federstrich rund 160.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze über die Klippe springen lässt (ach ja, sind ja „nur“ Frauen-Jobs), ist schon schlimm genug. Dass er mit der faktischen Aufkündigung der letzten Sicherheitsbarriere vor der Arzneimitteleinnahme durch den Patienten einfach Menschenleben riskiert, ist markerschütternd: als Bürgerin, als Apothekerin und Abonnentin Ihrer Zeitung. Aber der Reihe nach:

Erstens: Selbstmedikation ist kein Selbstläufer. „Bagatellpillen“ gibt es medizinisch nicht. Ibuprofen ist für viele Menschen sinnvoll – für andere (z. B. bei Magen-Darm- oder Nieren-Erkrankungen, in Kombination mit Blutverdünnern oder bestimmten Antidepressiva) gefährlich. Paracetamol ist in der Überdosierung lebertoxisch. Das bedeutet im konkreten Fall nicht weniger als die Wahl: Transplantation oder Tod. In der Apotheke prüfen wir Kontraindikationen, Interaktionen und Doppelanwendungen im Kontext der individuellen Situation: Alter, Begleiterkrankungen, Dauermedikation, Schwangerschaft/Stillzeit. Gerade weil „die meisten Kunden schon wissen, was sie wollen“, verhindern wir täglich Fehl- und Überanwendungen – niedrigschwellig, ohne Termin, ohne Hürde.

Zweitens: Beratung ist keine Verkaufsmasche, sondern gesetzlicher Auftrag und gelebte Verantwortung. Unsere Teams dokumentieren Hinweise, erklären Dosierungen, Einnahmedauer und Alternativen (inkl. „einfach mal ins Bett“), verweisen bei Warnzeichen an Ärztinnen und Ärzte und unterstützen bei der richtigen Anwendung z. B. von Inhalatoren, Nasensprays, Salben, Kapseln. Dass einzelne (Kombi-) Produkte in Tests schlecht abschneiden, darf nicht zur Pauschalkritik an einer ganzen Berufsgruppe führen. Für die Kammern ist unabhängige, evidenzbasierte Beratung Maßstab – und wir sanktionieren Fehlverhalten.

Drittens: Rezeptpflichtige Arzneimittel „nur nach ärztlicher Anweisung abgeben“ klingt simpel, ist es aber in der Praxis nicht. Wir erkennen Verordnungsfehler, Interaktionen bei Polymedikation, Dosierungs- oder Darreichungsfehler, prüfen Unverträglichkeiten, setzen Verordnungen unter Rabattverträgen rechtssicher um, sichern Kühlkette und Fälschungsschutz und lösen Lieferengpässe – oft in Minuten, nicht in Tagen. Wir sind die letzte unabhängige Sicherheitsinstanz im Arzneimittelprozess. Diese „Doppelte Sicherheit“ wird in keinem Hochrisiko-Prozess zur Disposition gestellt. Nur bei Arzneimitteln, wo ein Buchstabendreher oder eine Verwechslung von Gramm zu Milligramm den Unterschied von Leben oder Tod bedeuten kann. Wer einen Kommentar schreibt, kann diesen am nächsten Tag verändern, zurückrudern oder ein öffentliches Gewitter an sich vorbeiziehen lassen. In der Arzneimittelversorgung sind Fehler gefährlich für Leib und Leben.

Viertens: Versorgung ist mehr als Logistik. Nacht- und Notdienst, Rezepturen (u. a. für Kinder, Dermatologie, Schmerztherapie und immer dann, wenn sich die Herstellung für die Industrie nicht lohnt), Akut-Belieferung bei Klinik-Entlassungen, Heimbelieferung, Palliativversorgung, Betäubungsmittel- und besondere Lagerpflichten, Impf- und Testangebote, Adhärenz- und Medikationsmanagement – das sind Gemeinwohlaufgaben, die nicht per Fernlogistik substituierbar sind. Zentralisierung ersetzt nicht die wohnortnahe, sofort verfügbare Individualversorgung. Menschen, die mit diesen Bereichen Arbeiten oder Angehörige haben, kämen nicht im Traum auf die Idee, sich über die Institution Apotheke dermaßen vernichtend zu äußern. Die sind nämlich auf dezentrale Strukturen angewiesen, um Patienten zu versorgen.

Fünftens: „Liefern wir eben direkt an die Haustür“ löst kein Strukturproblem, sondern schafft neue Risiken. Arzneimittel sind keine Konsumgüter. Es geht um Temperaturführung, Identitätssicherung, Beratung im Moment der Abgabe, Rückfragen bei Warnsignalen und die unmittelbare Lösung von Engpässen. Apotheken tun dies täglich per Botendienst – am selben Tag, mit pharmazeutischer Begleitung. Eine Verlagerung ins Ausland mag rechtliche Grauzonen ausnutzen, sie entzieht aber der deutschen Aufsicht, der Qualitätssicherung, der Arzneimittelsicherheit die Grundlage. Das schwächt am Ende gerade die ländlichen Räume, die der Kommentar zu schützen vorgibt.

Sechstens: Preisargumente greifen zu kurz. Wer nur den Kassenbon sieht, blendet Folgekosten aus: Notfälle durch Schmerzmittel-Missbrauch, Klinikaufenthalte aufgrund von Interaktionen, Antibiotikafehlgebrauch, Therapieabbrüche. Prävention durch Beratung spart dem System Geld – und Leid bei Patientinnen und Angehörigen. Dass Apotheken wirtschaftlich arbeiten müssen, steht dazu nicht im Widerspruch. Transparente Preise, evidenzbasierte Empfehlungen und die Nicht-Abgabe, wenn es medizinisch geboten ist, gehören zusammen.

Wir Apothekerinnen und Apotheker sind keine Gatekeeper aus Besitzstandswahrung, sondern Brückenbauerinnen zwischen Diagnose und Alltag. Wir stehen für mehr Digitalisierung (eRezept, eMedikationsplan), für noch bessere Vernetzung mit Praxen und Kliniken, für strukturierte pharmazeutische Dienstleistungen bei Polymedikation – und ja: für pragmatische Zugangswege in der Selbstmedikation, aber mit Sicherheitsnetz. Wer seriös über Reformen sprechen will, sollte nicht den Eindruck erwecken, Arzneimittel ließen sich wie Bonbons vertreiben.

Für all diese Aufgaben und die Herausforderungen, die in den nächsten Jahren auf das Gesundheitssystem zukommen, braucht es mehr Apotheken, nicht weniger: Es braucht genau diese niedrigschwellig erreichbaren Heilberufler*innen mit Lotsenfunktion im Gesundheitswesen und eine verlässliche Finanzierung der Gemeinwohlaufgaben. Dann wird aus Polemik Versorgung. Für die Menschen in Westfalen-Lippe und in ganz Deutschland.

Gabriele Regina Overwiening

Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe

Mehr als eine lästige Erkältung

Sowohl die Grippe (Influenza) als auch Corona-Infektionen können zu schweren gesundheitlichen Komplikationen führen, besonders bei älteren Menschen, Schwangeren oder Menschen mit chronischen Vorerkrankungen. Im letzten Winter gab es auch in Westfalen-Lippe eine besonders starke Grippewelle mit vielen Erkrankten. Aktuell werden zudem wieder vermehrt Corona-Infektionen gemeldet. Eine Impfung kann den Viren Einhalt gebieten oder zumindest die Verläufe der Erkrankungen abmildern. „Bei uns in Westfalen-Lippe bieten einige Apotheken Impfungen gegen Grippe und Covid-19 an“, weiß Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Fieber, Frösteln, und ein enormes Schwächegefühl – „eine Grippe ist auch von den Symptomen her etwas ganz anderes als eine lästige Erkältung und nicht ohne für den gesamten Körper“, betont Apothekerin Overwiening. „Eine Impfung kann die Wahrscheinlichkeit schwer zu erkranken deutlich reduzieren.“ Das gilt auch für das Corona-Virus. Aktuell breitet sich die sogenannte „Stratus“-Variante aus.

Apothekerinnen und Apotheker mit spezieller Fortbildung dürfen Erwachsene gegen Grippe impfen, gegen Corona bereits jugendliche Patientinnen und Patienten ab dem zwölften Lebensjahr – in der Apotheke vor Ort. Mit diesem niedrigschwelligen Angebot soll auch die Impfquote erhöht werden.

Geimpft bedeutet indes nicht sofort geschützt: „Nach der Impfung dauert es einige Zeit, bis sich der Impfschutz vollständig aufgebaut hat, deshalb ist der Herbst ein guter Zeitpunkt, um sich impfen zu lassen“, erklärt Overwiening.

Die Grippeschutzimpfung wird unter anderem empfohlen für Menschen
ab 60 Jahren, Personen mit chronischen Grundleiden, Schwangere, Kinder mit chronischen Erkrankungen sowie Berufe mit erhöhtem Kontaktrisiko. Die Impfung ist für gesetzlich krankenversicherte Patientinnen und Patienten kostenlos.

Die COVID-19-Impfung ist in Apotheken für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren möglich. Sie wird empfohlen für Personen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf sowie für Personen mit einem erhöhten arbeitsbedingten SARS-CoV-2-Infektionsrisiko. Dazu gehören alle Personen ab 60 Jahren und ab sechs Monaten mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung für einen schweren COVID-19-Verlauf infolge einer Grunderkrankung; außerdem Bewohnende von Einrichtungen der Pflege sowie Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf in Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowie Mitarbeitende in Gesundheitseinrichtungen mit direktem Patient*innen- oder Bewohner*innen-Kontakt.

Auch in Westfalen-Lippe bieten einige Apotheken diese Leistung an. „Manche Apotheken veranstalten auch besondere Impfaktionen an bestimmten Tagen“, so Overwiening. „Wer sich impfen lassen möchte, fragt am besten direkt in der Apotheke vor Ort nach.“

Ab 1.10.: elektronische Patientenakte für alle verpflichtend

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen geht voran: Nach dem elektronischen Rezept folgt nun die elektronische Patientenakte, kurz ePA. Ab dem 1.10. ist sie verpflichtend für Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken. Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, fasst die Vorteile für Patientinnen und Patienten zusammen und weiß auch, welche Herausforderungen noch auf dem Weg liegen.

„Grundsätzlich hat die ePA das Ziel und das Potenzial, die Sicherheit in der Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessert“, betont Apothekerin Overwiening. „Nach der Einführung des E-Rezeptes ist das der nächste notwendige Schritt.“

In der elektronischen Patientenakte fließen künftig alle Gesundheits-Informationen und -Daten ein: Arztbriefe, Befunde aber auch Medikationslisten. Patientinnen und Patienten können diese Informationen auch selbst einsehen und verwalten.

„Apothekerinnen und Apotheker können auf die ePA zugreifen, wenn die Gesundheitskarte, also die eGK, in der Apotheke gesteckt wird. Sie können dann standardmäßig die Medikationsliste (eML) sehen“, erklärt Overwiening.

Seit Anfang des Jahres fließen alle Verordnungen in die eML ein. Darin steht, welche Medikamente verordnet wurden und welche davon auch tatsächlich bereits abgegeben wurden oder auch, ob Doppelverordnungen vorliegen. „Somit kann die Beratung rund um die Arzneimittelversorgung in der Apotheke durch die ePA grundsätzlich noch besser gemacht werden, da zum Beispiel potenzielle Wechselwirkungen schneller erkennbar sind“, erklärt Overwiening.

Weitere wichtige Bausteine, die bislang noch nicht digital umgesetzt sind, sollen dann im nächsten Jahr folgen. Apothekerin Overwiening: „Das betrifft zum Beispiel wichtige Betäubungsmittel-Verordnungen, etwa bei Krebspatienten. Auch Heil- und Hilfsmittel erscheinen aktuell noch nicht und es gibt bislang noch nicht die Möglichkeit, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel – die auch nicht harmlos sind und zu Wechsel- und Nebenwirkungen führen können – zu ergänzen.“

Hürden in der Umsetzung sieht die Apothekerin vor allem in der technischen Infrastruktur, der sogenannten TI (Telematikinfrastruktur): Wiederholte Ausfälle haben in der Vergangenheit des Öfteren zu Schwierigkeiten in der Versorgung der Patientinnen und Patienten geführt. „Regelmäßig und wiederholt, oft mehrmals pro Woche, kam es zu unterschiedlich langen Ausfällen von Teilen der TI-Infrastruktur, wodurch E-Rezepte nicht abrufbar sind und/oder das ePA-Modul, deren Baustein die eML ist, für die Apotheken nicht verfügbar ist“, so Overwiening. Zuständig dafür ist die nationale Agentur für digitale Medizin, die Gematik. „Wir fordern, dass diese Baustellen schnellstmöglich behoben werden.“

Grundsätzlich ist die Digitalisierung für die Apothekerin jedoch richtungsweisend für die Gesundheitsversorgung: „Die Einführung der ePA ist genau wie die des E-Rezeptes richtig und wichtig“, betont Overwiening. „Es ist der Weg, um Therapien zu optimieren und die Versorgungsstruktur im Sinne der Patientinnen und Patienten weiter zu verbessern.“

Blutdruck messen und Herzalter digital bestimmen

Anlässlich des Weltherztages am 29. September 2025 rücken die Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL) und die Assmann-Stiftung für Prävention erneut gemeinsam die Herzgesundheit in den Mittelpunkt. Unter dem Motto „Ihre Apotheke mit Herz“ laden zahlreiche Vor-Ort-Apotheken in der Region auch in diesem Jahr Bürgerinnen und Bürger ein, eine qualitätsgesicherte Blutdruckmessung durchführen zu lassen und ihr persönliches Herzalter digital zu bestimmen.

„Ein erhöhtes Herzalter ist ein klarer Hinweis darauf, dass ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall besteht – oft lange bevor Symptome auftreten“, erklärt Professor Dr. Gerd Assmann, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Assmann-Stiftung für Prävention mit Sitz in Münster. „Deshalb ist die Bestimmung des Herzalters ein wichtiger Türöffner für Gespräche über Prävention und Lebensstil. Wir sind sehr dankbar, dass die Apotheken in Westfalen-Lippe diesen Ansatz seit Jahren so engagiert unterstützen.“

Auch die Apothekerkammer Westfalen-Lippe betont die Bedeutung des niedrigschwelligen Angebots: „Die Apotheken vor Ort sind oft erste Anlaufstelle in Gesundheitsfragen – und können auf mögliche Risiken aufmerksam machen und präventiv tätig werden“, sagt Dr. Claudia Brüning, Vorstandsmitglied der AKWL. „Wir stellen keine Diagnosen, aber wir geben als niedrigschwellige Ansprechpartner und Lotsen im Gesundheits-Dschungel wichtige Impulse, die im besten Fall Leben retten können. Die Aktion zum Weltherztag zeigt, wie wertvoll die Apotheken für die Gesundheitsvorsorge sind.“

Die Bestimmung des Herzalters basiert auf der wissenschaftlich etablierten PROCAM-Studie und ist über die Website www.herzalter-bestimmen.de anonym online möglich. Die Aktion soll Bürgerinnen und Bürger motivieren, ihr individuelles Herzinfarkt-Risiko besser einzuschätzen und frühzeitig Maßnahmen zur Verbesserung der eigenen Herzgesundheit zu ergreifen.

Zu Hause und unterwegs: Wunden richtig versorgen

Ob beim Sport, auf dem Schulhof, bei Spielplatzbesuchen oder Familien-Fahrradtouren: Schrammen und Schürfwunden bleiben nicht aus. Worauf es bei der Versorgung von kleineren und größeren Wunden ankommt, weiß Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe.

Erste Maßnahme bei offenen Wunden: die vorsichtige Reinigung. Denn eine saubere Wunde ist Voraussetzung für die bestmögliche Heilung. Dies kann mittels sauberem Wassers erfolgen. „Vor allem für Eltern macht es Sinn, für diesen Zweck eine kleine Flasche mit frischem, klarem Leitungswasser dabei zu haben“, empfiehlt Overwiening. „Im Idealfall hat man auch eine sterile Kompresse dabei, mit der Steinchen und Schmutz sachte entfernt werden können.“ Ebenfalls zur Grundausstattung für unterwegs sollte ein Wunddesinfektions-Spray gehören, mit dem die Wunde nach der vorsichtigen Reinigung desinfiziert werden kann. „Auch hier gibt es speziell für Kinder geeignete Produkte aus der Apotheke, die zum Beispiel nicht so stark brennen.“

Und dann: Wundsalbe und Pflaster drauf. „Etwas Salbe auf dem Pflaster kann verhindern, dass es an der Wunde kleben bleibt und beim Abziehen schmerzt“, erklärt Overwiening. Auch hier gilt: „Welche Salben sich am besten für kleine und große Patient*innen eignen, wissen die Mitarbeitenden in der Apotheke vor Ort am besten.“

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass die Wunde nicht abgedeckt werden soll, damit sie „Luft bekommt“. Mit diesem Mythos möchte die Apothekerin gerne aufräumen: „Tatsächlich ist es so, dass Wunden am besten abheilen, wenn sie feucht gehalten werden. Zwar bildet sich an der Luft schneller Schorf, aber genau dieser Schorf verzögert dann die eigentliche Wundheilung, weil er das Abfließen des Wundsekrets verhindert. Bedeckt man hingegen die Wunde mit einem Pflaster und wechselt dieses regelmäßig, entfernt man immer wieder die obere Sekretschicht – und damit den Abfall des Körpers“, so Overwiening.

Grundsätzlich rät die Apothekerin dazu, die Hausapotheke regelmäßig zu checken und verschiedenes Verbandsmaterial vorrätig zu haben. Pflaster in verschiedenen Größen sind wichtig. „Sowohl bei den Pflastern als auch für die anschließende Versorgung gibt es die passenden Präparate in der Apotheke – für sensible Kinderhaut können auch hier spezielle Pflaster genutzt werden.“

Wichtig: Wenn die Wunde stark blutet, sehr tief oder großflächig ist, sollte Arzt oder Ärztin aufgesucht werden. Gleiches gilt auch für Wunden an Kopf oder im Gesicht und auch bei Bisswunden.