Das Konzept "Ausbildungsapotheke": Ihre Apotheke wird zu einem Zentrum für AMTS
Kooperation der Kammer mit den Universitäten Münster, Düsseldorf und Bonn
Ab sofort kann Ihre Apotheke den Status „AMTS qualifizierte Apotheke“ erlangen. Hierzu wurden entsprechende Richtlinien verabschiedet. Seit September 2012 gibt es an der Universität Münster eine AMTS-Dozentin, die eine zentrale Rolle bei der Erstellung des Lehr- und Versorgungsforschungskonzepts einnimmt. Bewusst richtet sich dieses Ausbildungskonzept nicht nur an die Pharmazeuten im Praktikum, sondern bezieht die ausbildenden Apotheker mit ein.
AMTS - was steckt dahinter?
Was steckt eigentlich hinter dem Begriff Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS)? Der nächste Besuch Ihres Amts-Apothekers? Nein. AMTS ist die Gesamtheit der Maßnahmen zur Gewährleistung des bestimmungsgemäßen Gebrauchs eines Arzneimittels. Damit wird eine optimale Organisation des Medikationsprozesses mit dem Ziel angestrebt, unerwünschte Arzneimittelereignisse insbesondere durch Medikationsfehler zu vermeiden und so das Risiko der Patientinnen und Patienten bei einer Arzneimitteltherapie zu minimieren.
Bei Arzneimittelsicherheit geht es nicht um die Sicherheit des Arzneimittels per se. Bei Arzneimitteltherapiesicherheit steht der Medikationsprozess im Vordergrund, von der Verschreibung bis zur Therapieüberwachung. Unter Experten ist es unstrittig, dass die Arzneimitteltherapie einen Hochrisikoprozess darstellt, mit verschiedenen Akteuren (Patient, Ärzte, Apotheke, Pflege), diversen Schnittstellen (z.B. Hausarzt - Apotheke) und komplexen Abläufen, die unter bestimmten Voraussetzungen zur Katastrophe führen können. Auch durch die Bundesregierung wurde die Thematik inzwischen aufgegriffen in Form des „Aktionsplans Arzneimitteltherapiesicherheit“.
Innerhalb des Medikationsprozesses stellt die öffentliche Apotheke eine Sicherheitsbarriere dar. Diese Barriere gilt es zu definieren, zu stärken und weiter auszubauen. Zur AMTS gehört auch ein konstruktiver Umgang mit Fehlern. Bei Fehlern sollte weniger das individuelle Versagen (Zuschieben des „Schwarzen Peter“) im Vordergrund stehen, sondern mehr die Optimierung des Prozesses. Fehler entstehen meist durch eine Aneinanderreihung mehrerer unsicherer Prozessschritte (Fehlerkette).
Ausbildungsapothekenkonzept
Das Ausbildungsapothekenkonzept wird von der AKWL in Kooperation mit den Professoren für Klinische Pharmazie der Universitäten Münster (Prof. Dr. Georg Hempel), Düsseldorf (Prof. Dr. Stephanie Läer) und Bonn (Prof. Dr. Ulrich Jaehde) umgesetzt. An der Universität Münster wurde im September 2012 im Arbeitskreis von Prof. Hempel mit Mitteln der AKWL die Stelle einer AMTS-Dozentin besetzt. Sie wird eine zentrale Rolle bei der Umsetzung und Evaluierung des Ausbildungsapothekenkonzepts einnehmen. Dieses besteht aus zwei aufeinander aufbauenden Stufen.
Stufe 1: Ausbildungsapotheke
Dies soll primär eine gut durchorganisierte Apotheke sein, die den apothekerlichen Nachwuchs in vorbildlicher Weise ausbildet. Pflichtvoraussetzungen für die Stufe 1 sind ein gültiges Fortbildungszertifikat des Ausbilders, Teilnahme am ZL-Ringversuch, Screening (z.B. Blutdruck, Blutzucker), Rezepturen verschiedener Darreichungsformen, Kundenkarten, Internetzugang, Zugang zu wissenschaftlicher Fachliteratur, regelmäßige Fachgespräche mit dem Apothekenleiter (mindestens einmal alle ein bis zwei Wochen) und die Bezahlung mindestens der tariflichen Ausbildungsvergütung. Zusätzlich nehmen der Ausbildungsleiter und der Pharmazeut im Praktikum an einer vierstündigen AMTS-Basisschulung teil, in der auch die Erstellung eines Ausbildungsplans vermittelt wird.
Den Antrag auf Zulassung als "Ausbildungsapotheke" mit dem Anmeldeformular für die Basisschulung finden Sie als Download unten auf dieser Seite.
Bei Erfüllung der Voraussetzungen und verbindlicher Anmeldung zur AMTS-Basisschulung wird die Apotheke auf der Kammer-Homepage gelistet. Gleichzeitig wird das Ausbildungsapothekenkonzept an den Pharmazeutischen Instituten in Münster, Düsseldorf und Bonn intensiv bekannt gemacht, so dass Nachfrage von Seiten der zukünftigen Pharmazeuten im Praktikum entstehen wird.
Stufe 2: AMTS qualifizierte Apotheke
PhiPs und ihre ausbildenden Apotheker können im Anschluss an die AMTS-Basisschulung an einem strukturierten AMTS-Ausbildungsprogramm teilnehmen. Dieses besteht aus den folgenden Elementen:
- Drei Seminare zu den folgenden Themen
Seminar I: Unerwünschte Arzneimittelereignisse (UAE)
Seminar II: Medikationsprozess
Seminar III: Medikationsüberprüfung - Praktischer Teil
Ausbilder und PhiP praktizieren ein Medikationsmanagement für eine bestimmte Patientengruppe. Die erfassten Daten werden im Anschluss durch die Universitäten wissenschaftlich evaluiert. - AMTS-Symposium
Hier werden die Ergebnisse des Medikationsmanagements vorgetragen.
Teilnehmer der Stufe 2 erwerben den persönlichen Titel „AMTS-Manager“, den sie zwei Jahre führen dürfen. Nach Ablauf der zwei Jahre kann der Titel durch Teilnahme an einem AMTS-Auffrischungsseminar verlängert werden. Apotheken, in denen ein AMTS-Manager arbeitet und die Voraussetzungen der Stufe 1 erfüllen, führen die Bezeichnung „AMTS qualifizierte Apotheke“.
Vorteile durch die Teilnahme am Ausbildungsapothekenkonzept
- Steigerung der Attraktivität der Apotheke für den pharmazeutischen Nachwuchs
- Nennung der Apotheke als „Ausbildungsapotheke“ bzw. „AMTS qualifizierte Apotheke“ auf der Homepage der AKWL
- Führen des Titels „AMTS-Manager“
- Kostenfreie AMTS-Basisschulung und AMTS-Seminare für PhiP und Ausbilder
- Vorbereitung der Apotheke auf zukünftige Aufgaben im Bereich AMTS
- Wissenschaftliche Evaluierung der AMTS-Aktivitäten der Apotheken durch die Universitäten (Versorgungsforschung). Fragestellung: Was leisten die AMTS-Aktivitäten in der öffentlichen Apotheke?
Termine 2013 und 2014
An der Basisschulung und den AMTS-Seminaren können Sie teilnehmen, wenn Sie Leiter bzw. approbierter Mitarbeiter in einer akkreditierten Ausbildungsapotheke sind. PhiP können nur zusammen mit ihrem Ausbilder teilnehmen.
Basisschulungen:
20. November 2013, 14:30 Uhr bis 18:30 Uhr in Dortmund
24. November 2013, 09:30 Uhr bis 13:30 Uhr in Münster
AMTS-Seminare (die Teilnahme an der Basisschulung wird vorausgesetzt):
Seminar I 16. Juni 2013
Seminar II 22. Juni 2013
Seminar III 7. Juli 2013
Seminar I 18. Januar 2014
Seminar II 25. Januar 2014
Seminar III 12. Februar 2014
jeweils von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr in Münster
AMTS-Symposien:
9. Juni 2013,
13. Oktober 2013,
jeweils 10:00 Uhr bis 13:30 Uhr in Münster
24. Mai 2014, 15:00 Uhr bis 18:30 Uhr in Münster
Die Teilnahme am AMTS-Symposium ist für zukünftige AMTS-Manager verpflichtend. Gäste sind ebenfalls willkommen, eine vorherige Anmeldung ist aber unbedingt notwendig (online im Fortbildungskalender für Apotheker).
Es besteht die Möglichkeit die Teilnahme an den fünf für die AMTS-Qualifikation notwendigen Veranstaltungen (Basissschulung, AMTS-Seminare I bis III und Symposium) zu splitten, d. h. sie müssen nicht in "einem Durchlauf" absolviert werden. Die AKWL wird alle Veranstaltungen im etwa halbjährlichen Rhythmus anbieten.

