Jahrespressekonferenz der Apothekerkammer

Zahl der Apotheken 2006 leicht gesunken

(Münster, 17. März 2007) Die Stadt Münster, Sitz der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, wird im Monat März zum Mekka der Pharmazeuten: 600 Apothekerinnen und Apotheker werden am 17. und 18. März zur Premiere des Westfälisch-lippischen Apothekertages (WLAT) im Congress-Centrum der Halle Münsterland erwartet. Das Tagungsmotto lautet "Gute Pillen, schlechte Pillen": Die Pharmazeuten befassen sich mit der Bewertung von Arznei- und Wundermitteln.

Dabei handelt es sich um keine "geschlossene Veranstaltung", verdeutlicht Kammerpräsident Hans-Günter Friese. "Unsere Ergebnisse werden wir auch für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger laienverständlich auf-bereiten." Daher öffnet der WLAT am Sonntag, 18. März ab 13 Uhr für die Öffentlichkeit. Informationen zu "guten und schlechten Pillen" werden auf einer Fachausstellung und in einer von Manfred Erdenberger moderierten Talkrunde (14 bis 16 Uhr) im Congress-Saal vermittelt. "Aktueller können wir mit unserem Kongress-Thema nicht sein", ist sich Friese sicher. "Die Zeitungen sind derzeit voll von Berichten über zunehmende Arzneimittelfäl-schungen, über Betrügereien bei Kaffeefahrten und dubiose Angebote aus dem Internet. Wir möchten sowohl den Apothekern als auch den Bürgern zahlreiche Hilfestellungen dabei geben, wirksame Arzneimittel von regel-rechtem Arzneimittelschrott zu unterscheiden."

Vom Run auf die Fachausstellung mit 32 Standplätzen im Foyer des Con-gress-Saales waren die Veranstalter selbst überrascht. Hier präsentieren sich am 17. und 18. März Institutionen wie die "Apotheker ohne Grenzen" und die Verbraucherzentrale NRW, aber auch Pharmaunternehmen wie Wyeth Pharma und Stada, die Apothekergenossenschaft NOWEDA oder die deutsche Arzneimittelkommission. "Fast 50 weiteren interessierten Ausstellern mussten wir leider absagen", so Friese. Ebenso wie Hallenchefin Dr. Ursula Paschke wertet er dies als gutes Omen für eine Neuauflage. "Die Bezeichnung 1. Westfälisch-lippischer Apothekertag verrät ja schon, dass die Veranstalter durchaus an eine Fortsetzung denken", so Dr. Paschke: "Uns würde das freuen. Wir können schon jetzt feststellen, dass der WLAT eine Bereicherung unseres Kongressprogramms darstellt."

Knapp vier Wochen vor In-Kraft-Treten der Gesundheitsreform meldet die Apothekerkammer mehr Arbeitsplätze für Apotheker, zugleich aber auch einen leichten Rückgang der Apothekenzahl. Im Jahr 2005 waren erstmals mehr als 5.000 Apotheker in Westfalen-Lippe tätig, 90 Prozent davon in öffentlichen Apotheken. Diese Zahl stieg im Vorjahr noch einmal - von 5.012 auf 5.068 (+ 1,1 Prozent).

Insgesamt bieten die westfälisch-lippischen Apotheken 14.000 Arbeitsplätze. Ihre Gesamtzahl sank im Jahr 2006 leicht von 2.246 auf 2.243: 27 Eröffnungen standen 30 Schließungen gegenüber. Drei weitere Schließungen kamen im Januar und Februar 2007 hinzu. Deutlich erhöht hat sich dagegen die Zahl der Filialapotheken - von 146 auf 193. "Damit wird mittlerweile jede zwölfte Apotheke als Filiale geführt", so Vizepräsidentin Gabriele Regina Overwiening.

Seit der Gesundheitsreform 2004 kann ein Apotheker neben der Hauptapotheke bis zu drei weitere Filialen im gleichen oder benachbarten Kreis besitzen. "Apothekenketten bleiben in Deutschland aber nach wie vor unzulässig", so Overwiening mit Blick auf die sogenannten DocMorris-Markenpartner-Apotheken. In wenigen Tagen sollen derartige Partnerapotheken auch in Castrop-Rauxel (12. März) und Hamm (15. März) eröffnen.

Weil der Versandhandel mit Arzneimitteln trotz massiver Bewerbung nach wie vor ein Nischendasein friste - der Anteil an den Ausgaben der Gesetzlichen Krankenkassen liegt nach wie vor unter einem Prozent - habe sich DocMorris offenkundig auf die Suche nach einem neuen Standbein aufgemacht, so Overwiening.

"Durch die Außenwerbung und die Schaufenstergestaltung der so genannten Markenpartner-Apotheken mag vielen Kunden suggeriert werden, aus den bisherigen Apotheken werde nun die Filiale einer Apothekenkette". Dies ist jedoch nicht der Fall, so die Vizepräsidentin der Apothekerkammer: "Nach unseren Erkenntnissen bleibt die Apotheke im Besitz des Inhabers, der ein approbierter Pharmazeut ist."
 
Somit sei die Markenpartnerschaft gleichsam alter Wein in neuen Schläuchen: "Es gibt bereits seit einigen Jahren zahlreiche Anbieter von Dachmarken- und Kooperationskonzepten, die auf Kundenfang unter den Apothekern gehen." Die Apothekerkammer könne nicht erkennen, dass derartige Partnerschaften zu einer nennenswerten Stärkung der pharmazeutischen Qualität oder der Wettbewerbsfähigkeit führten: "In erster Linie profitieren die Anbieter eines solchen Konzeptes - und zwar von den monatlichen Lizenzgebühren der teilnehmenden Apotheken.

Deutlich warnen die Apotheker davor, das Selbstverständnis ihres Heilberufs durch Preis-Dumping aufs Spiel zu setzen: "Arzneimittel sind keine Bonbons, sondern eine Ware besonderer Art. Sie haben eine Wirkung, aber auch Risiken und Nebenwirkungen - sind also erklärungsbedürftig.", so Overwiening. Insofern bedauere sie es, dass DocMorris und seine Markenpartner zumeist den Preis des Arzneimittels in den Vordergrund stellten. "Der Apotheker sollte als Heilberufler nicht um jeden Preis verkaufen. Es gehört auch zu seinen Aufgaben, in bestimmten Fällen vom Kauf eines Arzneimittels oder vom Fehlgebrauch von Arzneimitteln abzuraten".

Auch im Jahr 2006 hat die Apothekerkammer Westfalen-Lippe ihre im Jahr 2002 gestartete Beratungsoffensive fortgesetzt. In "zwei Wellen" wurden 926 Apotheken (41 Prozent aller Apotheken) von so genannten pharmazeutischen Fachprüfern besucht, die die Beratungsleistungen bei der Eigendiagnose Fußpilz bzw. Verstopfung des Patienten unter die Lupe nahmen.

In fast 65 Prozent der Fälle konnten die Fachprüfer überzeugende Beratungsleistungen attestieren. In einem Drittel der Testkäufe gab es Verbesserungsbedarf. Nur in drei Fällen wurde gar nicht beraten. "Im Sinne eines kontinuierlichen Prozesses fließen die Ergebnisse dieser Testkäufe in unsere Fortbildungsangebote für die Apotheker ein", so Hans-Günter Friese. Apotheken können beispielsweise Beratungstrainer der Kammer buchen, die nach Dienstschluss das gesamte Apotheken-Team schulen.

In ihrem Umfang ist die Beratungsoffensive der Apothekerkammer Westfalen-Lippe einzigartig: "Seit dem Jahr 2002 haben wir über 2.300 Testkäufe durchgeführt und ausgewertet und damit - statistisch gesehen - jede Apotheke einmal besucht", so der Kammerpräsident. "Dies ist nicht nur bundesweit, sondern in ganz Europa ohne Beispiel."

  • Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) lagen für Westfalen-Lippe im Jahr 2006 bei 2,467 Mrd. Euro. Dieser Wert lag nur minimal über den Vorjahresausgaben in Höhe von 2,461 Mrd. Euro
  • Aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung wird im Jahr 2007 wieder mit einem Zuwachs gerechnet. So stiegen die Arzneimittelausgaben in Westfalen-Lippe im Januar 2007 um 4,87 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.